Nr. 02/2005 vom 13.01.2005

Schutzlos schlafend

Von Fredi Lerch

Dem Schriftsteller Kurt Marti wird für seinen neusten Lyrikband der Buchpreis der Stadt Bern verliehen. Das Buch trägt den Titel «zoé zebra» - was einen schlafenden, schutzlos atmenden Leib meint, gestreift vom zufälligen «Licht-Schatten-Wurf» durch die Lamellen einer heruntergelassenen Store.

Der Band umfasst unter den Titeln «lichtwechsel», «das ichtier» und «kuckuck für gott» drei Zyklen: Der erste zeigt die Welt im Wandel der Jahreszeit, vom Überfall des Frühlings über vorsokratische Tage im griechischen Sommer bis zum «event advent». «das ichtier» sind alltagsgesättigte, zu Miniaturen verdichtete Geistesblitze, als deren Grundton immer wieder die Trauer eines alternden Menschen mitschwingt über die Unwiederholbarkeit des Lebens. Die Texte des dritten Teils, «kuckuck für gott», zeigen Marti erneut als Warner vor dem flächendeckenden Fortschritt, der laufend «do-it-yourself-apokalypsen» produziert und den Verdacht verstärkt, der Mensch sei «die lunte die gott vielleicht selbst / an seine irdische schöpfung gelegt hat».

Unterdessen umspannt Kurt Martis lyrisches Universum einen Zeitraum von 46 Jahren. Gedichte zu schreiben, hat er unter dem Einfluss der konkreten Poesie begonnen («Boulevard Bikini», 1958); später revolutionierte er die Mundartlyrik («rosa loui», 1967) und schrieb kontinuierlich geistliche («Gott gerneklein» 1995) und politisch-zeitgeschichtliche Lyrik (zuletzt: «Kleine Zeitrevue», 1999). Marti wird am kommenden 31. Januar 83 Jahre alt.

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