Nr. 09/2005 vom 03.03.2005

Frau und Mann, handlich

Und es bewegt sich doch. Das Verhältnis der Geschlechter wird heute als das erkannt, was es ist - eine soziale Ordnung, die stetem Wandel unterworfen ist. Diese Einsicht verdankt sich nicht zuletzt der Frauen- und Geschlechterforschung, die im Gefolge der neuen Frauenbewegung der siebziger Jahre entstanden ist. Der Zugang zu diesem Phänomen war lange Zeit versperrt, trotz dem Objektivitätsanspruch moderner Wissenschaft.

Nun wird der aktuelle Stand der Frauen- und Geschlechterforschung in einem neuen Handbuch vorgestellt. Das Buch ist aus dem 1986 gegründeten interdisziplinären Netzwerk Frauenforschung hervorgegangen, das rund hundertsechzig an nordrhein-westfälischen Hochschulen arbeitende Wissenschaftlerinnen vereinigt. Dies mag erklären, aber nicht rechtfertigen, weshalb Beiträge von Schweizer Wissenschaftlerinnen fehlen, obwohl ihre Arbeiten massgeblich zur Weiterentwicklung von Theorie und Praxis der Geschlechterforschung beigetragen haben.

Zwar hat die einstige Legitimation des Machtungleichgewichts zwischen Frauen und Männern durch angeblich biologische Tatsachen an Überzeugungskraft eingebüsst, doch die Gewohnheiten und Praktiken, die darauf gründen, sind noch längst nicht passé: «Die Verschränkungen und Widersprüche patriarchaler Strukturen zu analysieren, ist auch künftig eine wichtige Aufgabe feministischer Forschung», schreibt die Soziologin Eva Cyba. Zudem gibt es immer wieder Restaurationsversuche alter Glaubensbestände zu verzeichnen. Biologische Deutungsmuster hätten im Gefolge von Gen- und Reproduktionstechnologien neu an Boden gewonnen, so Angelika Wetterer, ebenfalls Soziologin.

Das Handbuch dokumentiert die unterschiedlichen theoretischen Ansätze, welche die Kategorie Geschlecht einer sozial- oder kulturwissenschaftlichen Analyse zugänglich machen sollen. Interessant sind insbesondere die Beiträge zu Themen wie Arbeit, Körper, Gesundheit und Bildung, die einen Überblick über den Forschungsstand geben. Sie ermöglichen es, sich rasch in ein Gebiet einzuarbeiten und weiterführende Fragen zu entwickeln.

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