Nr. 11/2005 vom 17.03.2005

Visuelle Stolpersteine

Von Edith Krebs

Von A wie Achtung bis Z wie Zwecklos reicht der «Universelle Städteführer visueller Stolpersteine», den Isabel Naegele und Ruedi Baur kürzlich im Lars-Müller-Verlag vorgelegt haben. Als unterrichtende Designer - Baur als Professor an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich, Naegele an der Fachhochschule in Mainz - wissen die beiden um den Reiz des Unerwarteten und Überraschenden im Strassenbild.

Über Jahre hinweg haben sie in verschiedenen Städten nach solchen Irritationen gesucht - zum Beispiel nach Strassenschildern mit widersprüchlichen Anweisungen, merkwürdigen Formen von Abfallbehältern oder Hydranten, nach schrillen Präsentationen von Waren aller Art.

«Die leidenschaftliche Jagd nach solchen flüchtigen Momenten verändert unsere Wahrnehmung», schreiben die beiden im Vorwort des Bildbandes, der ansonsten ganz ohne Text auskommt. Und diese Jagd beeinflusst die Arbeit von KünstlerInnen und DesignerInnen manchmal ganz direkt, möchte man anfügen. So haben einige der Sitzgelegenheiten, die unter dem Stichwort «Romantisch» vereint werden, durchaus skulpturale Qualitäten, nicht selten mutet ihr Gebrauchswert mehr als fragwürdig an. «Aroma der Stadt» ist eine Fundgrube für visuell Süchtige - und macht Lust auf eigene Entdeckungen der bizarren Art.

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