Nr. 19/2005 vom 12.05.2005

Sinnloses Tun

Von Edith Krebs

Wie unprätentiös, humorvoll und zugleich hintersinnig zeitgenössische Skulptur sein kann, zeigt der kürzlich erschienene Bildband «I Love My Time, I Don’t Like My Time» (Ich liebe meine Zeit [nicht]) des 1954 in Wien geborenen Künstlers Erwin Wurm. Am bekanntesten sind wohl seine «One Minute Sculptures» von 1997, in denen sich Menschen und Objekte auf ganz unerwartete Weise begegnen. Was macht eine Skulptur aus? Das ist die Grundfrage, die Wurm umtreibt. Doch bleibt er kaum je bei diesem kunstimmanenten Ansatz stehen, sondern greift in seinen Werkserien immer wieder gesellschaftliche Themen auf. So zum Beispiel in der Fotoserie «Curator/ Imperator» (2001), in der einige KuratorInnen so viele Kleidungsstücke übereinander tragen, dass sie seltsam aufgeblasen wirken. Oder er lässt in «Looking for a Bomb» (2003) eine Person einer anderen in den Hosenlatz greifen und thematisiert damit ganz leichthändig die Obszönität der Kontrollgesellschaft.

Immer bewegt sich Wurms Arbeit mit ihrem Hang zum Zweifel, zur Verwirrung und Absurdität an der Grenze zum sinnlosen Tun - und rührt damit an den Kern künstlerischen Denkens.

Erwin Wurm: «I Love My Time, I Don’t Like My Time». Hatje Cantz Verlag. Ostfildern 2004. 66 Franken.
Galerie Nicola von Senger, Zürich. Ausstellung bis 16. Juli 2005.

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