Nr. 13/2007 vom 29.03.2007

Mit der Packgeiss

Von Bettina Dyttrich

Viele TouristInnen kennen vom «Heidiland» nur die gleichnamige Autobahnraststätte bei Maienfeld. Doch die Region zwischen Walensee und Landquart ist zu vielfältig, um auf den Heidi-Mythos reduziert zu werden. Sie reicht vom fast mediterranen Walenseeufer bis zu den Gletschern am Ringelspitz und ist eine der Gegenden mit der höchsten Artenvielfalt der Schweiz. Peter Donatsch schlägt dreizehn Wanderungen vor: die spektakuläre Tour hoch über dem Walensee von Walenstadtberg nach Amden, eine Rundwanderung an den unteren Murgsee - wer einen schöneren Bergsee kennt, bitte melden! -, den Panoramaweg über die Alpen Tschingla und Palfris oder die wunderbare Frühlingswanderung auf den Fläscher Berg mit seinen japanisch anmutenden Föhrenwäldern. Zu jeder Route liefert Donatsch Tipps zu Restaurants, Besichtigungen und anderen Angeboten - warum nicht im Fläscher Kirchturm Fledermäuse beobachten oder in Amden den Rucksack von einer Packgeiss tragen lassen?

Der Umweltschutz liegt Peter Donatsch am Herzen. Das zeigen seine kritischen Kommentare zur Zersiedlung des Talbodens. Doch leider bleiben seine Texte oft oberflächlich, vor allem wenn es um Historisches geht. Sie erwähnen nur gerade das Bekannteste: die Walser im Calfeisental, das Drachenloch oder die Wiederansiedlung der Steinböcke im Pizolgebiet. Donatsch setzt sich nicht kritisch mit der Geschichte der Region auseinander, obwohl sich viele Themen anböten: etwa die grosse Armut, die hier bis ins 20. Jahrhundert herrschte, oder die Geschichte der psychiatrischen Klinik Pfäfers. Stattdessen beschreibt er immer wieder ausführlich seine eigenen Naturerlebnisse: «Wenn ich durch den Wald gehe, wird er zum Spiegel, in dem ich für kurze Momente meine Stellung in dieser Welt, meine Wertvorstellungen und mein Verhalten darin, erkennen kann. Vermag ich es zu erkennen? Vermag ich es zu verstehen? Soll ich es überhaupt verstehen? Ich weiss es nicht.» Dann sollte er es besser auch nicht schreiben.

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