Nr. 25/2007 vom 21.06.2007

Danke, Alice!

Von Carola Meier-Seethaler

Alice Schwarzer ist eine der wenigen Feministinnen der ersten Stunde, die nicht in die verschiedenen Fallen der Frauenbewegung tappten: nicht in die Falle der Idealisierung eines besseren Wesens der Frau, nicht in die Falle einer Libertinage, die auch entwürdigenden Sexualpraktiken einen Freibrief ausstellt, und auch nicht in die eines blinden Multi-Kulti-Optimismus. So blieb sie eine Kämpferin, die sich nie einer feministischen Modeströmung beugte, weil sie immer eigene Erfahrungen sammelte und sich auf ihr eigenes Urteil verliess, während sich manche ihrer Mitkämpferinnen in hoch abstrakten Gendertheorien verhedderten oder vor lauter Political Correctness das Kernproblem vergassen: das Eintreten für die Menschenwürde der Frau.

Dass dies auch ohne gehässige Polemik und ohne persönliche Ressentiments möglich ist, dafür legt «Die Antwort», die jüngste Publikation Schwarzers, Zeugnis ab. Wie aber ist es möglich, über Jahrzehnte hinweg Schmähungen und falsche Etikettierungen zu ertragen - und dies nicht nur von Machos, sondern auch von Schwestern -, ohne das emotionale Gleichgewicht zu verlieren?

Wenn das Wort «Frauenpower» einen Sinn hat, so ist es diese Stärke, bei allen Wetterlagen den Kurs gemäss dem inneren Kompass zu halten. Und dies trotz aller gebotenen Empörung ohne verbissenen Zorn und mit einer Prise Humor.

Ein solches Selbstvertrauen wäre allen Frauen und allen Männern zu wünschen, denn sämtliche Entgleisungen, die uns das herrschende Geschlecht bescherte, basieren letztlich auf menschlicher Schwäche. Das ist die eigentliche Botschaft: Nur Starke ertragen und schätzen die Stärke der anderen.

Als Bedingung für die Geschlechtergerechtigkeit sieht Schwarzer die faire Teilung zwischen elterlichen und beruflichen, häuslichen und öffentlichen Aufgaben. Deshalb begegnet sie Rückzugsgefechten des Patriarchats mit ungebrochenem Engagement: «Denn das ist wohl das Mindeste für eine aufgeklärte, kluge Frau im 21. Jahrhundert - dass sie laut und vernehmlich verkündet: Ich bin stolz, eine Feministin zu sein.»

Danke, Alice!

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