Nr. 47/2007 vom 22.11.2007

Arbeit? Nein danke!

Von Patrick Ritschard

Jürgen Sprenzinger ist bekannt für seine kruden Einfälle, die er dann auch in die Tat umsetzt. Ideen wie Sprenzinger sie hat, werden zwar zu Tausenden in bierseligen Runden skizziert und diskutiert, dann aber am nächsten Morgen nüchtern wieder verworfen. Der gelernte Radio-Fernseh-Techniker wurde mit seinem «Sehr geehrter Herr Maggi» über Nacht zum Shootingstar auf dem Büchermarkt. Ein Buch, das nur aus verschrobenen Anfragen an Grosskonzerne besteht, welche die Firmen auf teilweise groteske Art beantworten. Insgesamt handelt es sich mehr um eine Collage als um ein literarisches Werk und ist vielleicht gerade deshalb so amüsant.

Sein neuestes Buch «Arbeit? Nein danke!» fusst auf der simplen Idee, beim leidigen Thema Bewerbungen den Spiess einmal umzudrehen. Jürgen Sprenzinger sammelte Hunderte Stellenanzeigen aus verschiedenen Tageszeitungen. Da er aber nicht im Geringsten Interesse an einem dieser Jobs hatte, liess er dies die Firmen mittels einer Absage wissen. So schreibt er dem Umweltministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Bonn: «Ihre Stellenanzeige in der ‹Frankfurter Allgemeinen› wurde von mir zur Kenntnis genommen, sorgfältig geprüft und für eine Absage in die engere Wahl genommen. Den endgültigen Entscheid erhalten Sie in den nächsten Tagen.»

Auf 243 Seiten versammelt sich so allerlei geschriebener Unsinn und Zivilisationsmüll in Form von abgedruckten Stellenanzeigen und Sprenzingers Absageschreiben. Über seinen Humor lässt sich streiten; oft sind die Texte eher mässig als echt witzig. Sein grosses Verdienst besteht jedoch darin, dass er sich auf diese Art des Themas Stellensuche annimmt.

Beim Durchblättern der Stellenanzeigen in den Tageszeitungen fällt einem selbst gar nicht auf, mit welch doofen Slogans und Bildern künftige MitarbeiterInnen gesucht werden. Eine halbnackte Frau und die Überschrift «Von Langeweile keine Spur» illustrieren eine Anzeige für die gesuchte «Top-Verkäufer/-in». Dass sich Sprenzinger in seinem Absageschreiben an die «NUR DIE GmbH» mehr für die Dame auf dem Bild als für die Stelle interessiert, ist der vermutlich einzig gangbare Weg, auf einen solch hanebüchenen Quatsch überhaupt reagieren zu können.

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