Nr. 03/2009 vom 15.01.2009

Es ist ein seltsamer Planet!

Die Welt stürzt in die Krise. Und Milliardäre stapfen durch den Schnee und werfen sich vor herannahende Züge. Wie schlimm kommt es? Fragen über Fragen. Drum erst einmal: entspannen. Und auf andere Gedanken kommen.

Von Daniel Ryser

Wenn es minus neunzig Grad ist, gefriert der Atem und fällt zu Boden. So ist das. Und 2005 hat sich der Fussballer Diego Armando Maradona einer Magenverkleinerung unterzogen, damit er nicht mehr so viel isst. Und vielleicht auch weniger Kokain konsumiert. Wenn er nun auch noch sechs Jahre und neun Monate lang ununterbrochen furzen würde, hätte er genug Gas zusammen für eine alles zerstörende Gasbombe. Die könnte er dann auf die USA schmeissen, die er so verabscheut. Unter anderem deswegen, weil die USA nur sechs Prozent der Weltbevölkerung stellen, aber sechzig Prozent der Weltressourcen verbrauchen (Mexiko hatte dafür einst drei Präsidenten an einem Tag).

Dafür ist es sowohl Maradona als auch den US-AmerikanerInnen und überhaupt allen unmöglich, den eigenen Ellbogen zu lecken. Es geht nicht. Es sei denn, sie hacken sich den Arm ab, so wie ein Mitarbeiter eines Werner-Herzog-Films in Südamerika sich den eigenen Fuss mit einer Motorsäge abgetrennt hat, nachdem er von einer Schlange gebissen worden war, deren Gift in fünf Minuten zum Herzstillstand führt, der Arzt mit dem Gegengift aber zwanzig Minuten entfernt war. Die Eingeborenen boten Werner Herzog während derselben Dreharbeiten zudem an, den egomanischen und dauernd laut fluchenden Klaus Kinski umzubringen, wenn Herzog dies wünsche. Dieser lehnte ab. Er brauche Kinski ja noch als Darsteller.

Wenn Sie das nächste Mal im Büro fluchend vor dem kaputten Fotokopierer stehen, denken Sie daran, dass 23 Prozent aller Schäden an Fotokopiermaschinen durch Leute verursacht werden, die darauf sitzen, um ihren Hintern zu kopieren. Wer war es dieses Mal? Die Praktikantin? Der Chef?

Die Massenmordzahlen im Büro sind in den USA zwischen 1988 und 1998 übrigens um 200 000 Prozent gestiegen. Dabei spielten kaputte Kopiermaschinen aber keine Rolle. Um 700 Prozent steigt hingegen die Zahl der Bakterien in den Ohren von jenen KollegInnen, die sich vom Grossraumbürolärm mit Kopfhörern abzuschotten versuchen.

Der Durchschnittsbüromensch tätigt im Jahr über 1100 Anrufe. Aber fünfzig Prozent aller Menschen haben noch nie einen Telefonanruf getätigt oder erhalten.

Die Gratishotline für eine neue Software hat Microsoft wegen der extrem hohen Anzahl ratloser BenutzerInnen eine halbe Milliarde Dollar gekostet. Das wiederum war, lange nachdem in Frankreich eine Kuh wegen Zauberei verurteilt und gehängt worden war (1740). Zehn Jahre später hat Mathias Etenhueber eine Zeitung herausgegeben, in der sich alle Meldungen reimten. 1908 wurde in Nottingham die erste Telefonzelle aufgestellt. Auch die ersten Fussballtore mit Netzbespannung wurden in Nottingham aufgestellt. Das war 1891. Die ersten Parkuhren wiederum wurden 1935 in Oklahoma (USA) aufgestellt. Das erste Kreuzworträtsel erschien 1913 in New York. Und der Bruder des ehemaligen Formel-1-Rennstallbesitzers und Schweizers des Jahres, Peter Sauber, war Werner Sauber und wurde von der Polizei als Mitglied der Bewegung 2. Juni in Köln erschossen. Das war jetzt vielleicht nicht so unwichtig.

Travolta zieht die Spritze raus

Alle Uhren im Film «Pulp Fiction» zeigen 4.20 Uhr an.

Heisst es. Aber halt! Die WOZ hats, wie so manches in diesem Text, geprüft und sagt: nur fast alle Uhren! Die Szene, in der John Travolta Uma Thurman die Spritze mit voller Wucht ins Herz rammt, wurde aber auf jeden Fall rückwärts laufen gelassen: In Wirklichkeit zog Travolta die Spritze mit voller Wucht heraus. Thurman hatte im Film einen Herzstillstand. So wie ihn jeder Mensch beim Niesen hat: Dabei setzen alle Körperfunktionen aus, sogar das Herz. Beim Sex wiederum verbrennt man pro Stunde 360 Kalorien (wer den Kopf permanent gegen die Wand schlägt, verbrennt immerhin 150 Kalorien pro Stunde). Letzteres wäre etwas für eine fette Schnecke, denn Schnecken paaren sich in ihrem Leben nur einmal. Sex bei Schimpansen dauert drei Sekunden. Drei Sekunden ist auch die Zeitspanne, in der sich das Gehirn eines Goldfisches Dinge merken kann. Etwa, dass das Feuerzeug vor dem Streichholz erfunden wurde. Oder dass der Mensch im Durchschnitt während des Nachtschlafs ungefähr siebzig Insekten isst. Dass Dalmatiner Gicht kriegen können und Haie keinen Krebs. Dass das Quaken der Ente kein Echo erzeugt. Dass Ratten nicht kotzen können. Dass im Amazonas rosa Delphine leben. Dass Schmetterlinge mit den Füssen riechen. Dass Elefanten nicht hüpfen können und ein Känguru nur dann, wenn sein Schwanz den Boden berührt. Dass 1976 eine Frau in Los Angeles einen Felsen geheiratet hat. Und dass der Furz im alten Ägypten eine Gottheit war. Apropos Geschichte: Der vollständige Name von Los Angeles ist «El Pueblo de Nuestra Senora la Reina de los Angeles de Porciuncula or The Town of Our Lady the Queen of Angels of the Little Portion», abgekürzt: L.A.

Manhattan ist indianisch und bedeutet: «Der Ort, an dem wir betrunken waren». Und der Neffe des Aztekenherrschers Montezuma hiess Cuitlahac, was übersetzt so viel heisst wie «Ein grosser Haufen Scheisse».

Gender! Gender!

Genderfragen sind bekanntlich nach wie vor wichtig. Wenn auch nicht alle. Austern wechseln je nach Wassertemperatur ihr Geschlecht. Gottesanbeterinnen reissen während des Sex dem Männchen den Kopf ab, weil dadurch der Spermienausstoss vergrössert wird. Bei Seepferdchen tragen die Männchen die Brut aus. Und die meisten Blattläuse sind Klone ihrer Mütter. Die meisten Giraffen sind bisexuell. Das Geschlecht von Schildkröten kann man an ihren Lauten erkennen: Das Männchen grunzt, das Weibchen zischt. Bei den Menschen ist es ja so, dass Frauen doppelt so oft zwinkern wie Männer. Dafür sitzen dreissig Mal so viele Männer im Gefängnis wie Frauen (auch Diego Maradona ist das übrigens einst passiert, wegen «Missachtung der Staatsgewalt»). Die beiden höchsten je ermittelten Intelligenzquotienten wurden bei Frauen gemessen. Was nicht unbedingt damit zusammenhängen muss, dass 1964 eine Frau vor Gericht 50 000 Dollar Schmerzensgeld forderte, weil ein Unfall mit einem öffentlichen Verkehrsmittel sie zur Nymphomanin gemacht habe. Sie bekam Recht.

Vorsicht vor Eseln!

Der volle Name von Barbie ist Barbara Millicent Roberts. Medizinerinnen bringen sich sechs Mal mehr um als übrige Frauen. Ein Mann, der sich nie rasiert, hat am Ende einen Bart von neun Metern Länge. Die Mutter von Queen Elizabeth hatte dafür drei Brüste. Und alle Schwäne in England gehören der Königin. (Nicht-Gender-Anhang: Nicht nötig zu wissen ist zudem, dass der Buckingham Palast 602 Räume hat. Und dass die Tür zu Downing Street 10 nur von innen aufgeht.)

Von Gender zu Goethe: Der gute alte Johann Wolfgang hasste Brillenträger. Eine erfundene WOZ-Weihnachtsgeschichte über Schiller und Goethe landete über sieben Ecken beim «Spiegel», der die erfundenen und perfekt gefälschten Informationen aus der Geschichte für wahr befand und daraus dann eine grosse Geschichte bastelte, wonach Goethe und Schiller zusammen gekifft hätten. Goethe entdeckte übrigens einen bis dato unbekannten Knochen im menschlichen Schädel. Auch Shakespeare war über die Schreibe hinaus nicht ohne: Er erfand das Wort «assassination», Meuchelmord. Dafür hat ein schwedischer Philologe im 17. Jahrhundert behauptet, dass Gott im Paradies schwedisch sprach. Und die Schlange französisch. Fakt ist auf jeden Fall, dass in der Bibel Katzen nicht erwähnt werden. Was aber nichts damit zu tun hat, dass Napoleon panische Angst vor Katzen hatte.

Wer in Panik gerät, weil er von einem Krokodil angegriffen wird, sollte die Ruhe bewahren. Denn es benötigt nur einen gezielten Stoss mit den Daumen in die Augen des Reptils, damit es seinen Angriff stoppt. Wer in Panik gerät, weil er von einem Wolf angegriffen wird, braucht dem Tier nur die Faust in den Rachen zu rammen, und gewonnen ist der Kampf. Wenn sie dabei zufällig niesen sollten, versuchen sie nicht, die Augen offen zu halten. Das würde ihnen die Augen aus dem Kopf drücken.

Zudem: Die Chance, zu sterben, indem man aus dem Bett fällt, liegt bei 1:2 000 000. Die Chance, von einem Hai getötet zu werden, liegt bei 1:30 000 000. Die Chance, im Lotto zu gewinnen, liegt bei 1:13 983 816. Auch vor Eseln sollte man sich in Acht nehmen, wenn man an Statistiken glaubt: Die Wahrscheinlichkeit, von einem Esel totgetreten zu werden, ist höher als die, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen. Ein Esel wiederum kann all seine vier Füsse gleichzeitig sehen. Und Eulen sind die einzigen Vögel, die die Farbe Blau sehen können. Und Rehe essen gerne Bananen.

Krieg und Krise

Auch ganz unwichtig: Tennis haben die Franzosen erfunden. Dafür sind die «reinrassigen» TasmanierInnen 1876 ausgestorben. Und Mexiko-Stadt versinkt langsam. Der häufigste Vorname der Welt ist Mohammed. Vom Hinduismus kann man nicht exkommuniziert werden. Wenn Schnecken mit zwei Köpfen geboren werden, kämpfen die beiden Köpfe gegeneinander um Nahrung. Und in Albanien bedeutet Kopfnicken Nein und Kopfschütteln Ja. Und beim Krieg ist übrigens nicht immer die Wahrheit das erste Opfer: Die erste Bombe, die von den Alliierten im Zweiten Weltkrieg über Berlin abgeworfen wurde, tötete den einzigen Elefanten im Berliner Zoo. Und Krieg ist bekanntlich immer, die ganze Zeit. In den letzten 5000 Jahren wurden 14 500 Kriege dokumentiert. Fünfzig Millionen Menschen sind dabei gestorben. 1896 zum Beispiel waren Grossbritannien und Sansibar 38 Minuten lang gegeneinander im Krieg. Vom Krieg zur Krise: Im November 1923, auf dem Gipfel der Inflation in Deutschland, war ein US-Dollar vier Billionen Mark wert. Und von wegen Umverteilung: Um 1800 stellte China dreissig Prozent der gesamten Weltbruttoproduktion her. Zugegeben, nicht ganz unwichtig zu wissen, weil, man weiss ja nie: Von einem 68 Kilogramm schweren Menschen (Gewicht des Autors), können sich vierzig Kannibalen ernähren. Und spätestens 3530 wird sich der Punkausspruch «No Future» bewahrheiten: Wenn das mit dem Vermehren so weitergeht, wird die Gesamtmasse an Fleisch und Blut 3530 so gross sein wie die Masse der Erde. Dazu trägt natürlich unter anderem die Eiscreme bei, die 1620 erfunden wurde. Lange nach dem letzten 30. Februar also, der war nämlich 11 vor Christus.

Zum Abschluss etwas für den Kopf. Darüber können Sie jetzt erst einmal eine Weile nachdenken, als Ablenkung von Krise und Kollaps und so weiter: Beim Schach gibt es für die ersten vier Züge 318 979 564 000 Eröffnungsmöglichkeiten. Kann das sein? Probieren Sie es aus. Vielleicht finden Sie dazwischen ja gleich auch noch eine Alternative zum bisher längsten deutschen Wort (mit dem deutschen Doppel-S), in dem sich kein Buchstabe wiederholt: Heizölrückstoßabdämpfung. Und Kung-Fu heisst eigentlich Freizeit.

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