Nr. 08/2009 vom 19.02.2009

Seltsames England

Von Pit Wuhrer

Verdient hat er das ja, der Engländer. Dass einer daherkommt und ihm all die Schandtaten vorhält, die er so begangen hat, und all die Skurrilitäten, die er fortwährend produziert. Dass jemand an den Spruch des alten Imperialisten Cecil Rhodes erinnert («Als Engländer geboren zu werden, ist der erste Preis in der Lotterie des Lebens») und zugleich die eher harmlosen, aber nicht minder exzentrischen Merkmale des Engländers aufs Korn nimmt: seine Einstellung zu Wetter, Sex, Alkohol, Frauen, Pferden, Essen, Queen und Europa. Und daraus auch noch eine Liebeserklärung macht.

«Den Engländer» gibt es natürlich genauso wenig wie «den Deutschen» oder «den Iren», und doch trifft «Nichts gegen Engländer» - das neue Buch des deutsch-irischen Journalisten Ralf Sotscheck - einen Kern. Sein «Psychogramm eines merkwürdigen Volkes», so der Untertitel, schildert nicht nur die Bescheuertheit der englischen Massenmedien, die obskuren Auswüchse des Überwachungsstaats und die Souveränität, mit der die Regierung höchstrichterliche Urteile ignoriert - es beschreibt auch, wie sorglos und gelassen diese Wahnwitzigkeiten in England hingenommen werden.

Ralf Sotscheck hat für das Buch seine «taz»-Kolumnen neu gebündelt, die diese Tageszeitung montags lesenswert machen: Er erzählt von wahren Begebenheiten und aktuellen Ereignissen auf der Insel mit einer Leichtigkeit, einer Lebendigkeit - und mit einem Sarkasmus, der zum Geschilderten passt. Er kämpft mit dem Florett. Zwischendurch greift er jedoch unnötigerweise zum Vorschlaghammer. Zugegeben: Der Nonsens, den die Königsfamilie tagtäglich von sich gibt, ist kaum auf einen Nenner zu bringen. Aber muss man deswegen Zusammentreffen mit der Queen erfinden?

Sotschecks Porträt des ach so liberalen, ach so toleranten, scheinbar emotionslosen und oft durchgeknallten Engländers ist überaus vergnüglich zu lesen. Weil es Schwächen aufzeigt, die nicht nur den britischen InsulanerInnen eigen sind. Das macht die kleinen Hammerschläge allemal wett.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch