Nr. 08/2009 vom 19.02.2009

Thomas Bernhard

Von Paul L. Walser

Am 12. Februar 1989 ist Thomas Bernhard (1931-1989) gestorben. Zwanzig Jahre später führen uns die Fotografin Erika Schmied und der Kunsthistoriker Wieland Schmied mit einem gewichtigen Bildband in die Alltagswelt des grossen, eigenwilligen österreichischen Erzählers und Dramatikers ein, mit dem die beiden befreundet waren.

Die Schwarz-Weiss-Aufnahmen von Erika Schmied kommen ohne Mätzchen aus: sehr ruhige Bilder aus einer nahen, jedoch bereits recht fern wirkenden Vergangenheit. Nicht selten herrscht eine leise Melancholie vor, mitunter sogar Schwermut - immer aber ist es ein authentisches Österreich. Die Texte von Wieland Schmied sowie zahlreiche Zitate aus Bernhards Büchern bieten reichhaltige Erläuterung. Titel seiner Werke begleiten die einzelnen Kapitel, von «Ein Kind» bis hin zu «Auslöschung».

So ergibt sich eine Entdeckungsreise entlang den Lebensstationen Bernhards von Wien nach Traunstein, Salzburg, ins Salzburgerland, nach Oberösterreich bis ins Ortlergebiet und zurück nach Wien und nach Wolfsegg, von wo aus man - so Bernhard - «den allerweitesten Blick auf die Alpen» hat.

Besonders gut dokumentiert werden die Scherzhauserfeldsiedlung in Salzburg, in der die berühmte Erzählung «Der Keller» spielt, und der stattliche «Vierkanthof» im oberösterreichischen Ohlsdorf, für längere Zeit die Zuflucht des Schriftstellers. Sehr eindrücklich sind auch die Bilder vom Wiener Lungensanatorium Baumgartnerhöhe neben der psychiatrischen Anstalt Am Steinhof (seit seinem achtzehnten Lebensjahr litt Bernhard unter einer Lungentuberkulose). Für die Häuser, die er erwarb, musste Bernhard oft Schulden machen - und das Schuldenmachen wurde ihm «zur bewährten Strategie, eine Schreibhemmung zu überwinden».

Leider fehlt eine Karte mit den im Buch gezeigten Örtlichkeiten, die vor allem für NichtösterreicherInnen hilfreich gewesen wäre.

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