Nr. 20/2009 vom 14.05.2009

«Brabeck gang hei!»

Von Dominik Gross

Das private Institut für Auslandsforschung (SIAF) in Zürich lud dieses Frühjahr bereits Novartis-Chef Daniel Vasella und Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth an die örtliche Uni. Am letzten Dienstag war nun Nestlé-Chef Peter Brabeck mit einem Vortrag an der Reihe. Im Rahmen einer Publicity-Tour für seinen Nahrungsmittelmulti hatte er kürzlich schon am Menschenrechtsforum in Luzern gesprochen.

Schmutzwasser für Brabeck

Vasellas Vortrag an der Universität Zürich hatte allerdings vom SIAF nach Protesten von Studierenden in den privaten Kreis verlegt werden müssen. Anlässlich der Rede von Roth organisierte das Komitee «Uni von unten» eine gut besuchte Gegenveranstaltung mit dem Basler Soziologen Peter Streckeisen und mit Christian Felber, dem Autor und Mitbegründer von Attac Österreich. Zum Vortrag Brabecks in Luzern hatte die Unia-Jugend zu einem friedlichen Protest aufgerufen. Fünfzig Personen demonstrierten vor der Tagungsstätte: «Wasser wollen wir haben, Nestlé begraben». Sie verwiesen auf die Geschäftspraktiken des Konzerns, der auch in Entwicklungsländern die Tafelwasserproduktion vorantreibt und damit vielen Menschen den Zugang zu Quellen und sauberem Trinkwasser entzieht. Vor Beginn seiner Luzerner Rede tauschten AktivistInnen das saubere Wasser in Brabecks Glas gegen dreckiges aus.

Derweil leistete sich die Luzerner Polizei bei einem unverhältnismässigen Einsatz gegen die Demonstrierenden massive Aussetzer: Gemäss Mitteilung der Unia-Jugend wurden bei den beiden friedlichen Aktionen vier Personen verhaftet. Eine Person wurde dabei leicht verletzt. Ein Fotograf, der die Verhaftungen festhalten wollte, wurde von einem Beamten attackiert. Die Unia-Jugend prüft nun Anzeigen gegen die Polizei oder das von der Pädagogischen Hochschule organisierte Menschenrechtsforum.

Rigoros bewachter Saal

In Zürich waren am Dienstag sowohl um die Uni schleichende Beamte in Zivil als auch Bereitschaftspolizei in Kampfmontur anwesend. Trotzdem verliefen die Protestaktionen des Komitees «Uni von unten» gegen Brabecks Vortrag sehr friedlich. Zumeist ältere Damen und Herren in gutem Tuch strebten durch Nebeneingänge dem Vortragssaal zu, während etwa zweihundert Studierende und AktivistInnen vor dem Haupteingang gegen die Geschäftspraktiken von Nestlé und die zunehmende Abhängigkeit der Universitäten von der Privatwirtschaft demonstrierten. Unter der Parole «Privatisierig nei, Brabeck gang hei» zog die Menge schliesslich vor den rigoros bewachten Hörsaal und sorgte nach Beginn von Brabecks Rede stampfend und pfeifend für kritischen Krach.

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