Nr. 24/2009 vom 11.06.2009

«Krimi»

Von Raphael Zehnder

Der Berner Autor und Theatermann Matto Kämpf trumpfte vor zwei Jahren mit skurrilen «Tiergeschichten». Sein neuestes Werk heisst «Krimi»: Ein schnapsfreudiger Kommissar aus der Stadt ermittelt auf dem Land. «Er ist ein Weltkrieg von einem Mann: 1.70 gross, längliche Arme, Schnauz». Sein Assistent heisst Meuchli, der Dorfpfarrer Jesses Strübi, dessen Haushälterin Antibiotika Wälti, der Advokat Phüetis Stützli und der Gasthof «Zur Sau». Die Leiche baumelt am Zwetschgenbaum. «Offenbar ist er vorher mit einer Mistgabel verlöchert und nur noch der Form halber an den Baum gehängt worden.»

Zu diesen Sätzen passt die Typografie: Im Schriftbild einer mechanischen Schreibmaschine rattert der Text durch die Ermittlungen, wobei der Kommissar seine eigene Taktik anwendet: «Er sitzt stumm und starr in seiner Ecke der Gaststube und brütet vor sich hin.»

Zur Aufklärung durchstreifen der Kommissar und Meuchli ein Dorf, das vor Ländlichkeit strotzt: In der Turnhalle turnen die Brunstturner; Knechte jassen in der «Sau» wortlos wie Jassautomaten. Und es gibt einen Dorfkommunisten, dem der Mund vernäht wurde, damit er seinen Marx für sich behält.

Eigentlich spielt der Kriminalfall in Kämpfs Text gar keine grosse Rolle, er ist ein Vorwand für diese Parodie aufs angejahrte Selbstbild der Schweizer als Bauernvolk. Kämpf verzerrt Versatzstücke aus alten Schweizer Filmen, von «Ueli dem Knecht» bis zu Glausers Krimis.

Der Autor liess rosa Metzgereipapier ins Heftchen einbinden und Illustrationen hinzusetzen, die zur Kriminalgeschichte höchstens Nebenbemerkungen sind, wie der mit Filzstift plump kolorierte alt Bundesrat Otto Stich. Auch das ist gelungen in diesem vergnüglichen Büchlein.

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