Nr. 41/2009 vom 08.10.2009

«Wir sehen uns in London!»

Immer im Herbst suchen Finanzunternehmen an den Universitäten die Manager von morgen. Was erzählen die Banken den jungen StudentInnen? Was hat die Finanzkrise verändert? Die WOZ nahm an der Rekrutierungsveranstaltung an der HSG teil.

Von Carlos Hanimann

Es ist ein sonniger Tag im Herbst 2009, aber wir werden geblendet vom Licht der Scheinwerfer. Wir befinden uns am Rosenberg über St. Gallen, im Foyer des Bibliotheksgebäudes der Universität, besser bekannt als HSG, wo etwas mehr als ein Dutzend Banken Werbestände samt Beleuchtung aufgestellt haben. Das Foyer ist sonst ein leerer Raum, umgeben von Beton und Glas. Heute ist es ein Ort, an dem die Schritte zielgerichtet sind, das Lächeln flüchtig und der Händedruck feucht, aber kräftig ist.

Von den Bannern prangen die englischen Slogans der Finanzinstitute: «Opportunity never sleeps» (Citibank), «Together we discover your strength» (UBS), «Your energy shapes the future» (Eon). Davor stehen junge, dynamische Menschen in Anzügen und Deuxpièces, diskutieren, verteilen Broschüren, halten Ausschau.

Eine Brünette am Stand von Morgan Stanley beobachtet die auf und ab gehenden StudentInnen aufmerksam, sucht den Blickkontakt. Neben ihr steht eine Glasschale mit Werbegeschenken auf dem Tisch, Broschüren, Notizblöcke, eine Flasche Mineralwasser. Sie trägt einen perfekt sitzenden weissen Blazer mit goldbeigem Streifen am Revers, dazu passend ein Seidenfoulard, die Arme hat sie hinter dem Rücken verschränkt. Dann schaut sie mir, einem Reporter, der sich als Student ausgibt, verständnisvoll in die Augen, schüttelt den Kopf und sagt: «Machen Sie sich keine Sorgen. Wir von Morgan Stanley gehen gestärkt aus der Krise hervor. Sehen Sie, wir mussten – so wie alle in der Finanzbranche – ein paar Leute entlassen. Das waren fast ausschliesslich ältere Mitarbeiter, kurz vor der Pension. Aber jetzt – jetzt machen wir wieder sehr aggressives Recruiting. Ich habe letzte Woche noch Personal eingestellt, das mir beim Recruiting hilft. Wir brauchen dringend neue Leute!»

«Kein Kommentar»

Banking Days, so nennt sich die Veranstaltung hier auf dem Campus der HSG. Bereits zum fünften Mal lädt das Career Services Center (CSC) der Universität Unternehmen aus der Finanzbranche ein und bietet ihnen eine Plattform. Immer im Herbst beginnen üblicherweise die Bewerbungsrunden der Banken für das kommende Jahr. An einer eintägigen Messe können StudentInnen der HSG erste Kontakte mit der Finanzwelt knüpfen, während der folgenden zwei Wochen an Workshops der Banken teilnehmen und sich in persönlichen Interviews für Stellen bewerben. Dieses Jahr nehmen 346 StudentInnen an den Banking Days teil, nur knapp ein Dutzend weniger als letztes Jahr.

Zwei Versuche, nicht in Studententarnung, sondern als Journalist mit den Banken zu sprechen, scheitern. Ich erhalte nur spärliche Informationen, Ablehnung schlägt mir entgegen. Ein Zucken, grosse Augen, ein Schritt zurück und dann die immer gleichen Sätze: «Kein Kommentar. No comment. Da müssen Sie mit der Pressestelle reden. Please contact the press office.»

Der erste Versuch bei der UBS. Der Stand der Schweizer Grossbank ist wesentlich schwächer besucht als andere, obwohl er gleich im Eingangsbereich aufgebaut wurde. Eine blonde, junge Frau begrüsst mich. Ihr Gesicht ist gebräunt. Beim Wort «Presse» schreckt sie zurück und lächelt verlegen. «Ich kann Ihnen nichts sagen. Wir dürfen nicht mit der Presse reden. Anweisung von oben. Melden Sie sich bei der Pressestelle.»

Nach einer kurzen Plauderei ist sie doch bereit, etwas über den Auftritt der Schweizer Grossbank an der HSG zu erzählen. «Ja, auch wir haben offene Stellen. Wir bieten verschiedene Internships an, also Praktika. Aber nur in der Schweiz. An Schweizer Recruiting-Veranstaltungen bieten wir nur Stellen in der Schweiz an.» Sie zeigt mir eine Mappe, um zu beweisen, dass das ernst gemeint ist. Auch im Investmentbanking? «Ja, auch im Investmentbanking haben wir einige offene Stellen.» Der Ruf der UBS ist angeschlagen. Bemerkt sie das am mangelnden Interesse der StudentInnen? «Kein Kommentar. Alles, was mit der Krise zu tun hat, müssen Sie die Pressestelle fragen. Da darf ich Ihnen keine Auskunft geben. Wirklich nicht.»

Der zweite Versuch nebenan, am Stand von Barclays Capital, der Investmentabteilung der britischen Barclays Bank. Hier gilt «only English speaking». Und auch hier heisst es zuerst «no comment». Nach einigem Zögern und mehrfachem Verweis auf die Pressestelle lässt sich die junge Britin doch noch zu ein paar Sätzen hinreissen. «Weltweit haben wir derzeit rund 800 Stellen offen, Praktika und Vollzeit. Die meisten Studenten hier interessieren sich aber für die ‹Internships abroad›, also mehrwöchige Auslandpraktika.» 200 solcher Stellen seien derzeit offen, das Interesse dafür sei riesig. Die Aussicht auf einen Praktikumsplatz, in London etwa, ist deshalb gering. «Wir haben mehrere Tausend Bewerbungen.» Die Britin reist als Campus-Recruiterin für Barclays Capital Woche für Woche durch Europa und wirbt an Universitäten neue StudentInnen an. Heute in St. Gallen, nächste Woche in Mailand, dann Stockholm, London, Frankfurt, Edinburgh, Warwick, Nottingham, Bristol, Cambridge, Paris, Oxford – und das ist nur das Programm bis Mitte Oktober.

«Eine gute Gelegenheit»

Vierzehn Unternehmen, vornehmlich Banken, stellen sich dieses Jahr an der Messe vor, informieren StudentInnen und suchen neue Leute. Sie bezahlen 2500 Franken Standgebühr für den Auftritt an der Messe, jeder weitere Tag Präsenz an der Uni, etwa für Workshops oder Interviews, kostet 3500 Franken. Ein Pappenstiel für die Banken, die jährlich Milliarden umsetzen. Dennoch sind dieses Jahr weniger Firmen anwesend als 2008. Letztes Jahr waren es noch 23, und die Veranstaltung hiess Investmentbanking Days. Die Finanzkrise hat Folgen und – anders als die Banken hier behaupten – Tausende Jobs im Finanzsektor vernichtet. Klassische Investmentbanken wie Lehman Brothers sind verschwunden, andere Institute sind derzeit nicht in der Lage, neues Personal einzustellen. Und doch sind die bekanntesten Finanzriesen auch dieses Jahr in St. Gallen anwesend: UBS, Credit Suisse, Barclays Capital, Citibank, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan ...

Nach Kopenhagen und London ist die HSG die dritte Station für die meisten Banken im diesjährigen Rekrutierungszyklus. Ein Vorteil für die StudentInnen, weil die heisse Phase der Bewerbungsrunde erst begonnen hat. Im November werden viele Stellen schon besetzt sein. Kaderschmiede HSG? Ein Klischee wie die Poloshirts mit aufgestelltem Kragen, die Hemden in Pastelltönen und die lässig um die Schultern gelegten Pullover. Aber heute werden die Klischees bestätigt: Wer an den Banking Days teilnimmt, der will einen bleibenden Eindruck hinterlassen – «a lasting first impression», wie der Slogan am Stand von Barclays Capital lautet. Daraus ergibt sich ein ziemlich klarer Kleidercode, erzählt mir später eine der VeranstalterInnen: Anzug und Krawatte heisst Interviewtermin, Hemd und Pullover erste Kontakte knüpfen, T-Shirt und Jeans bedeutet Werbegeschenke schnappen.

Ich trage Hemd und Pullover und habe wie alle anderen StudentInnen eine Tasche erhalten, gesponsert von eFinancial Career, einer Jobbörse für den Finanzsektor. Der Inhalt: Eine Werbebroschüre, das Wirtschaftsmagazin «Brand eins», das Modeheft «Adress» («Alles, was schön ist»), ein Kleidergutschein über fünfzig Franken von PKZ (bei einem Einkauf ab 200 Franken) und eine Flasche Desinfektionsmittel Virusept – Schweinegrippeprävention auch hier.

Nicolas Journot studiert Banking and Finance an der HSG. Derzeit ist er für ein Austauschsemester in Südafrika. Im Februar will er den Masterstudiengang abschliessen und sich einen Job suchen, am liebsten im Investmentbanking. 2007 organisierte er die Banking Days mit, im folgenden Jahr stellte ihn die UBS im Investmentbanking für ein sechsmonatiges Praktikum an. «Ich habe den Kontakt zu jemandem in der Personalabteilung aufgenommen, ihm gesagt, dass ich ein Praktikum suche und meine Unterlagen eingereicht.» Offensichtlich war die UBS begeistert, im Februar konnte er die Stelle antreten. Vor allem wegen der Banking Days, sagt er. Journot schätzt an der HSG, dass die Firmen direkt vor Ort sind. «Die Banking Days sind eine gute Gelegenheit. Natürlich gibt es auch andere Wege sich zu bewerben. Aber es ist hier viel einfacher, weil die wichtigsten Firmen alle gleichzeitig da sind und man sich mit ihnen unterhalten kann.»

Weckruf für Zombies

«Wenn man die Finanzkrise verfolgt, könnte es Ihnen verziehen werden, dass Sie denken, Jobs in diesem Sektor sollten am besten vermieden werden.» So steht es in der Broschüre der Jobbörse. Tatsächlich hat die Bezeichnung «Banking Days» in diesen Tagen etwas Zombiehaftes: Eine Rekrutierungsveranstaltung für zukünftige «Masters of the Universe» in Zeiten, in denen Banker als Gangster verschrien sind, wirkt wie ein Weckruf für Untote.

«Warum?», fragt die Broschüre weiter, «ist die Finanzindustrie immer noch ein attraktiver Arbeitsort?» Die Antworten: «Es wird wieder besser. Die Banken brauchen Akademiker. Eine Zeit der spannenden Veränderungen. Eine intellektuelle Herausforderung. Man wird noch immer gut bezahlt.»

Stellen die Finanzinstitute den StudentInnen die Aussichten wirklich so rosig dar? Geht es schon wieder aufwärts? Was erzählen die Banken im offenen Gespräch? Bleibt alles beim Alten? Wie berührt die Finanzkrise die künftigen Global Leaders? Und vor allem: Was bieten mir die Campus-Recruiters, wenn ich mich als Student bei ihnen informieren will?

Die Frau am Stand von Morgan Stanley fragt, was ich studiere, und sagt dann: «Oh, Sie sind noch ganz neu an der Uni? Dann haben wir für Sie das Insight Program.» Das Insight Program ist laut Broschüre für StudentInnen gedacht, die jetzt im Bachelor- oder Masterstudiengang sind und ab 2012 eine Vollzeitstelle suchen. Eine Woche bei Morgan Stanley hinter die Kulissen schauen. «Sie bewerben sich ganz einfach auf unserer Website, im Februar und März finden die Interviews statt. Und an Ostern kommen Sie zu uns nach London! Eine Woche lang. Wir bezahlen Ihren Aufenthalt.»

Sie erklärt, was ein Insight Program alles bietet – einen ersten Einblick, Teilnahme an verschiedenen Workshops, Kurse in Global Capital Markets, Investmentbanking, Prime Brokerage, Private Wealth Management, Research, Sales and Trading. «Ist Investmentbanking denn noch attraktiv?», frage ich. «Die Finanzkrise, die Entlassungen, die Regulierungen – braucht es überhaupt neue Leute?» – «Ganz bestimmt. Machen Sie sich keine Sorgen. Leider Gottes – was heisst hier leider Gottes, ich meine: Gott sei Dank – sind andere Banken aus dem Rennen.» Sie kommt etwas näher, sieht mir in die Augen, zeigt dann versteckt auf den Stand nebenan und sagt: «Die hier, Nomura, die sind ja quasi Nachfolger der bankrotten Lehman Brothers. Da ist es vielleicht schwierig. Aber bei uns brauchen Sie keine Angst zu haben. Auch bei anderen Banken, bei Goldman Sachs, Deutsche Bank, Credit Suisse, da ist Ihr Job sicher.»

Sie händigt mir ein Blatt mit der Adresse aus, bei der ich mich bewerben muss, und wünscht mir viel Glück.

Einige Minuten später steuert ein junger Mann in den Dreissigern auf mich zu. Sportliche Postur, dunkler Anzug, wie die meisten hier, und im Gesicht dieser Kann-ich-helfen-Blick. «Erstes Semester Betriebswirtschaft», sage ich. «Welche Möglichkeiten gibt es?» Der Mann führt mich zum Stand der Deutschen Bank, nimmt ein paar Broschüren und Werbegeschenke vom Tisch und gibt sie mir. Dann schüttelt er sich aus einem Deutsche-Bank-blauen Plastikbehälter einige Minzdragées in die Hand, wirft sie in den Mund und sagt: «Erstes Semester? Ich schlage Ihnen vor, dass Sie schon bald damit beginnen, so viele Praktika wie möglich zu machen. Dann haben Sie gute Aussichten auf eine blendende Karriere.»

Tatsächlich haben viele HSG-AbsolventInnen Karriere gemacht. Viele sind in führenden Positionen in der Wirtschaft tätig. Auch deshalb wurde der HSG eine gewisse Mitverantwortung an der Krise zugeschrieben. Ein Viertel der Schweizer Topmanager haben an der HSG studiert: Josef Ackermann (Chef der Deutschen Bank), Walter Kielholz (Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse) und Peter Wuffli (ehemals Chef der UBS), um nur drei zu nennen. Und natürlich auch unser Bundespräsident, Hans-Rudolf Merz.

«Sehen Sie», sagt der Mann von der Deutschen Bank, «es gab einige Restrukturierungen im Finanzsektor. Aber die Krise hat nicht so wahnsinnig viel verändert, wie man annimmt. Wir haben zum Beispiel nie Stellen abgebaut. Wir haben immer neue Leute eingestellt, auch in der Krise.»

Das stimmt natürlich nicht, die Deutsche Bank musste vergangenes Jahr mehrere Hundert Stellen im Investmentbanking abbauen. Auch Morgan Stanley baute über tausend Stellen ab. Die UBS sogar fast 10 000.

«Sicher, wir mussten einige Abteilungen zusammenlegen, in London oder auch in Frankfurt. Gewisse Produkte, vor allem im Immobilienbereich, will heute niemand mehr. Da hat uns die Subprimekrise schon getroffen. Wir haben einige offene Stellen. Am besten, Sie bewerben sich mal – und dann schauen Sie in Frankfurt vorbei. Das Beste für Sie wäre ein Internship, da gewinnen sie einen Einblick. Sie sehen, was wir genau machen. Und Sie lernen Ihre Interessen kennen. Ab dem zweiten Semester können Sie bei uns anfangen.»

Nur für ein paar Goodies

In der Finanzbranche sehen viele bereits den Silberstreifen am Horizont. Die riesigen Verluste des letzten Jahres gehören der Vergangenheit an, einige Banken fahren wieder grosse Gewinne ein, die sogenannte Realwirtschaft wird derweil zur Kasse gebeten.

Draussen ist Krise, und die Arbeitslosenzahlen steigen ungebremst, aber drinnen, im Foyer der HSG, ist die Welt in Ordnung, und die Banken wählen neue PraktikantInnen aus. Der Student Nicolas Journot sagt: «2007 hatte die UBS in der Abteilung, in der ich mein Praktikum machte, nur einen Praktikanten. 2008, als ich begann, waren wir schon zwei. Und als ich Mitte Jahr wieder ging, wurde gerade der dritte Praktikant eingestellt.» Die Finanzbranche befinde sich in einer schwierigen Zeit: Viele AnalystInnen wurden entlassen, und andere kündigten freiwillig, weil sie andernorts mehr verdienen konnten. «Wegen Budgetrestriktionen mussten die Banken sparen, das heisst Leute entlassen.» Die Arbeiten müssen trotzdem erledigt werden, PraktikantInnen sind deshalb ganz praktisch.

Die Krise war für viele ein Rückschlag, sicher, aber kein Grund, alles infrage oder gar auf den Kopf zu stellen. Regulierungen? Die Finanzmärkte gehörten zu den meist regulierten Märkten überhaupt, sagte mir kürzlich ein anderer Wirtschaftsstudent der HSG. Noch mehr zu regulieren, sei sinnlos. Der Markt müsse die Probleme lösen. An den Banking Days tönt es nicht anders. Zuversicht regiert und die Aussicht, dass bald wieder alles ist wie vor der Finanzkrise.

Später am Nachmittag setzen sich zwei Studenten an den Nebentisch und unterhalten sich über den Menschenauflauf im Foyer. Sie sprechen englisch.

«Heute ist Banking Day. Bist du angemeldet?»

«Nein, ich bin nur vorbeigelaufen und habe ein paar Goodies eingesteckt. Ich wollte aber nicht unfreundlich sein und habe auch eine Broschüre mitgenommen.»

«Ich glaube, wenn du bei einer Bank arbeiten möchtest, ist es nicht schlecht, hier vorbeizuschauen. Wenn du letztes Jahr schon hier warst, die Leute kennenlernst und dann dieses Jahr deine Bewerbungsunterlagen mitbringst: Da kriegst du vielleicht schon mal einen Job.»

«Ach was. Ich habe vorhin mit jemandem gesprochen. Ich sagte ihm, ich sei schon letztes Jahr hier gewesen, ich hatte sogar schon E-Mail-Kontakt mit ihm. Aber er konnte sich nicht erinnern.»

«Aber es ist doch gut, dass du hier vorbeikommen kannst, ein paar Informationen sammeln. Dann weisst du, wo du später hinwillst.»

«Das kann ich aber auch nächstes Jahr noch machen. Mein Abschluss ist noch weit entfernt.»

An der Messe im Foyer verteilen die Banken weiter Informationsmaterial und gute Ratschläge für die optimale Karriereplanung. Sie führen in diesen Tagen Bewerbungsgespräche, um die Manager von morgen in ihre Firmen zu holen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat kaum etwas verändert, nur: Die Konkurrenz ist kleiner geworden.

Als ich die HSG verlasse, denke ich an die Frau am Stand von Morgan Stanley und ihre Abschiedsworte «Wir sehen uns in London». Vor der Schiebetür aus Glas hängt ein schwarzes Plakat, auf dem steht: «Sehr geehrter Herr Thielemann, was sie an der HSG nicht sagen dürfen, hören wir nächsten Donnerstag in der Zofingia HSG.» Ulrich Thielemann ist der deutsche Wirtschaftsethiker, der sagte, die politische Elite in der Schweiz habe kein Unrechtsbewusstsein, und dafür von HSG-Rektor Ernst Mohr öffentlich gerügt wurde. Er gehört zu den wenigen kritischen Stimmen an der Universität. Eben ist sein neustes Buch erschienen. Es heisst: «System Error».