Nr. 45/2009 vom 05.11.2009

Regen in St. Gallen

Von Stephan Pörtner

Der Regen liess nicht nach. Der grüne Dschungel wurde nass und erkältete sich dermassen, dass er Affen hustete. Die Tiger standen knietief im Sumpf und überlegten ernsthaft, ob Aussterben nicht die bessere Option sei. Das war kein Leben. Nach drei Wochen war es dermassen still geworden, dass man sich in der Wüste glaubte. An einem Mittwochnachmittag kam endlich Bewegung in die Wetterfront und vierundzwanzig Stunden später war die Tierwelt wieder trocken und von einem unbestimmten Optimismus beflügelt. Sogar die Affen kehrten zurück und feierten mit allem, was nicht ersoffen war, eine unerhörte Brüllorgie. Der Regen zog nach Sankt Gallen weiter.

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