Nr. 48/2009 vom 26.11.2009

Marilyn und Co.

Von Silvia Süess

«Das Erste, was ich tue, wenn ich wieder in Hollywood bin: Ich setze meine Sekretärin an die Luft und ziehe in ein kleineres Haus. (...) wo immer dieses Haus auch ist, es muss unbedingt einen Zaun haben. Schon wegen der vielen Reporter. Man macht sich ja keinen Begriff, wozu diese Schreiberlinge imstande sind.»

So zitiert Truman Capote den Schauspieler Marlon Brando in «Der Fürst in seinem Reich», einem Kurztext, in dem der Schauspieler porträtiert wird. Als Brando den Text zu Augen bekam, soll er getobt haben: «Dieses kleine Schwein hat mir gesagt, es werde nichts von den Dingen sagen, die wegzulassen ich es gebeten hatte, und es hat sie alle drucken lassen. Ich bringe ihn um.»

Truman Capote (1924–1984), Autor, Journalist, Dandy, genoss das Leben mit den Stars und der High Society, in seinen Texten demaskiert er sie jedoch schonungslos: «Coco Chanel, dieser apart heruntergehungerte Spatz unter den Modemachern», schrieb er, oder über Elizabeth Taylor: «Ähnlich wie bei Mrs. Onassis waren ihre Beine zu kurz für den langen Oberkörper und der Kopf wiederum zu gross für ihre gesamte Figur.»

Der Verlag Kein und Aber hat unter dem Titel «Marilyn & Co.» ein kleines Buch herausgegeben, das Porträts versammelt, die Capote von Stars verfasste. Pointiert schreibt Capote, der ein grossartiger Beobachter war, über jene, mit denen er am Abend zuvor noch essen oder auf einer Party war. Brando wusste nur zu genau, warum er die Schreiberlinge fürchten musste.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch