Nr. 08/2010 vom 25.02.2010

Die rote Nacht

Von Anna Wegelin

Basel ist ein kleines, aber feines Biotop für zeitgenössische Schweizer Literatur. Daniel Zahno (46) mischt sie mit luftiger Melancholie auf. Sein neuer Roman «Rot wie die Nacht» ist eine kurzweilige Lovestory mit dichten Passagen – und einer Katastrophe in Rot.

Zahno, der sich als «Autor, Moderator und Kritiker» bezeichnet, hat bisher drei Einzelwerke veröffentlicht, wurde 2002 zum Bachmann-Literaturwettbewerb in Klagenfurt eingeladen und sass von 2006 bis 2008 in der Programmkommission der Solothurner Literaturtage. «Rot wie die Nacht» ist seine vierte Veröffentlichung und kommt nur ein Jahr nach seinem beachteten Romandebüt «Die Geliebte des Gelatiere». Beide Bücher sind bei Weissbooks erschienen. Der Jungverlag aus Frankfurt, wurde von zwei ehemaligen Mitarbeitenden der Suhrkamp-Gruppe gegründet.

Zahnos Alter Ego, Ben Beretta, ist Filmregisseur, kinderlos und Single. Auf der Heimfahrt von der Biennale in Venedig trifft er im Zug die TV-Journalistin Adele, die gerade zu Totenritualen recherchiert und «etwas Frisches und Freies» hat. Ben und Adele beginnen eine Liebesbeziehung. Adele hat zu Hause Mann und drei Kinder (von drei Männern) und will ihre Familie nicht verlassen. Dann kommt es zur fatalen Begegnung zwischen den beiden Männern – und damit zur Katastrophe in Rot.

«Rot wie die Nacht» handelt von der Sehnsucht nach erfüllter und verbindlicher Liebe. Zahno erzählt seine Lovestory aus Bens Perspektive, ein etwas umständlicher Romantiker, dem wir gönnen würden, er könnte mehr aus sich herauskommen. Dazwischen gibt es längere szenische Passagen, die dem Buch guttun, da sie einen Kontrapunkt zu Bens Hang zur Selbstaufgabe setzen: humorvoll umgesetzt im Kapitel, als Ben die drei Kinder seiner Geliebten notfallmässig babysitten muss.

Auch Zahnos neustes Buch kommt mit jener Leichtigkeit daher, die die Literaturkritik dem Autor zuschreibt. Ohne sie wäre die Liebes- und Leidensgeschichte, in der keine einzige erotische Liebesszene vorkommt, am Ende nur schwarz wie der Tod.

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