Nr. 31/2010 vom 05.08.2010

Van Veeteren

Von Silvia Süess

Nein, sympathisch ist er wirklich nicht, dieser Herr Hauptkommissar. Aber das will er auch nicht sein. Sie seien nicht dazu da, um sich beliebt zu machen, pflegt er seinen Untergebenen zu sagen. Van Veeteren ist der Name dieses mürrischen, schachspielenden und biertrinkenden Kommissars, den der schwedische Autor Hassan Nesser geschaffen hat. Von 1993 bis 2003 schrieb Nesser zehn Van-Veeteren-Romane, und wer einen zu lesen beginnt, dem bleibt fast nichts anderes übrig, als alle anderen auch zu lesen. Denn irgendwie machen die Krimis von Nesser süchtig.

Van Veeteren ist Hauptkommissar in Maardam, der Hauptstadt eines namenlosen Landes irgendwo in Nordeuropa. Die Fälle, die er zu lösen hat, sind verzwickt, meist sind die Opfer auf brutale Weise zu Tode gekommen – mit einem Schlachtmesser abgestochen, mit einem schweren Rohr zu Tode geschlagen –, und fast immer haben die Verstorbenen eine düstere Vergangenheit. Der Aufbau der Romane ist stets ähnlich: Die Leserin weiss mehr als die Polizei, doch vieles bleibt auch ihr lange verborgen. Die Arbeit der Polizei ist lange sehr ineffizient, man bekommt Einblick in die Sisyphusarbeit der BeamtInnen – hundert Befragungen, von denen vielleicht eine weiterhilft – und dann, gegen Ende des Buchs, hat Van Veeteren eine Intuition, eine Ahnung, ein Gefühl, das zur Lösung führt.

Und sobald man diese als Leserin auch erhalten hat, legt man den Krimi fertiggelesen zur Seite, um auch schon den nächsten anzufangen.

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