Nr. 38/2010 vom 23.09.2010

Die Reise zu den Kugelinseln

Von Anna Wegelin

Die zwölf Kugelinseln sind in sagenhaften Zeiten aus dem Zwist zwischen den Riesen auf der einen und den Zwergen auf der anderen Seite des Meeres entstanden. Jetzt geht Jonna das «leere Land» mit ihrer Tante, einer Journalistin, während zehn Tagen entdecken.

Bei der Ankunft im Motorboot präsentiert sich Jonna eine unwirtliche Gegend. Bewohnt wird sie von wortkargen «Kapuzenmenschen». Von zuoberst auf dem Inselberg werden die fremden «Zweibeiner» vom Schwarzbock und seinen Schafen beobachtet.

Die Autorin und Skandinavistin Verena Stössinger aus Basel hat bisher vor allem Romane veröffentlicht, die Frauen ins Zentrum rücken, zuletzt «Spielzeit Nummer zwölf» (2004). Nun hat sie eine unaufgeregte, präzis formulierte Erzählung aus der Sicht eines wachen Mädchens geschrieben. Sie könnte irgendwo im hohen Norden spielen und ist voller Rätsel: Knöpfe auf der Innenseite des Mantels des «Stelzenkinds», Leuchtfäden, die von der Decke hängen ... Hannes Binders dunkle Schabzeichnungen betonen das Unerklärliche.

Die Idee für ihr Buch für Menschen ab zehn Jahren kam der Autorin während ihrer Recherchen für die Anthologie «Geschichten von den Färöern». «Ich verstand es, aber eigentlich verstand ich es nicht», so Stössinger zur WOZ. «Fremd» sei, was man von sich selbst aus erlebe. In «Die Reise zu den Kugelinseln» gehe es ihr um die Frage: «Wie gehen wir damit um, dass wir etwas nicht verstehen?»

Jonna sei weniger «festgefahren» in ihrer Wahrnehmung, begründet sie ihre Wahl, ein «Kinderbuch» zu schreiben. Es ist eine Einladung, nicht immer alles bis ins letzte Detail erklären zu wollen. Ein liebevoller Gruss an jene Flecken auf Erden, die unsere «zivilisatorischen Errungenschaften» noch nicht erobert haben.

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