Nr. 43/2010 vom 28.10.2010

Die Molekularstruktur der Erde

Von Stephan Pörtner

Am ersten Herbsttag fand auf einer Waldlichtung im Voralpenraum das lauteste Konzert aller Zeiten statt. Nicht weniger als zwölf der härtesten Lärmcombos waren angetreten, um den zu Tausenden angereisten Headbangern gehörig einzuheizen. Schon bei der Vorgruppe aus dem idyllischen Muotatal zogen die Hasen und Füchse aus dem umliegenden Wald. Zur Halbzeit hatten die Tannen die Nadeln verloren, und als die Finnen mit ihren Gitarren langsam dem ersten Höhepunkt entgegensägten, stürzten die ersten Berge ein. Der Hauptact aus Übersee spielte dann in einer dermassen karambolisierenden Lautstärke auf, dass es zu Störungen der Molekularstruktur der Erde kam und diese mit Getöse auseinanderbrach.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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