Nr. 51/2010 vom 23.12.2010

Ein turbulentes Klassentreffen

Von Eva Pfister

Es kann einem schwindlig werden bei diesem Buch: Im Nebel klettern die MittdreissigerInnen in den Bergen herum, dabei haben wirklich nicht alle die Kondition für den Höhenrundwanderweg, den Karin für das Klassentreffen vorgeschlagen hat. Einer rutscht ab, liegt in der Schutzhütte auf dem alten Sofa, drei andere bleiben bei ihm, man wartet auf den Heli, aber der kann bei den herrschenden Sichtverhältnissen nicht fliegen.

Schwindelerregend verlaufen auch die Handlungsstränge in Sabina Altermatts Roman «Fallhöhe». Die ehemaligen KlassenkameradInnen haben einige unerledigte Probleme miteinander. Adrian und Sandra waren verliebt, mit Intrigen hat Marina sie auseinandergebracht. Das wusste Eveline, die erst jetzt das Schweigen bricht. Aber was bedeutet das für Marinas unehelichen Sohn, der auf den Berg steigt, um herauszufinden, wer sein Vater ist?

Sabina Altermatt beginnt ihren Roman mit kurzen Vorstellungen der handelnden Personen, die aus ihrem Alltag zu diesem Klassentreffen aufbrechen. Damit weckt sie durchaus die Neugier: auf den durchorganisierten Scheidungsanwalt Fridolin mit seiner kriselnden Ehe, auf Eveline mit ihrem Kontrollzwang, die nur mühsam die Wohnung verlassen kann, auf die chaotische Marina, auf Adrian, den Schwerentschlossenen, sowie auf Sandra, die aus Kanada nach Zürich fliegt und ein schweres Problem mit sich herumschleppt.

Dass es knistern und zündeln kann, wenn die alten KlassenkameradInnen aufeinandertreffen, war also zu erwarten, aber dass es hier gleich so turbulent zugeht, als sollte ein «Tatort» in den Bergen gedreht werden, verblüfft dann doch. Es gibt handfeste und innere Kämpfe, Abstürze und Ausrutscher.

Leider auch einige unwahrscheinliche Episoden: Kann wirklich ein Krebskranker im unheilbaren letzten Stadium noch so flott mithalten beim Aufstieg zum Pass weit über der Baumgrenze? Auch andere entwickeln unglaubliche Kräfte: So sind zum guten Ende alle gerettet und kehren mit neuem Mut in ihr altes Leben zurück. Ist doch schön!

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