Nr. 11/2011 vom 17.03.2011

Kein Wort zu viel

Von Anna Wegelin

Jedes Mal, wenn ein neues Buch von Klaus Merz erscheint, freue ich mich. Ob Prosa- oder Gedichtband: Was aus der Feder des 65-jährigen Autors aus dem Aargau stammt, ist treffsicher formuliert und weitet den Blick vom scheinbar Nebensächlichen zum Grundlegenden aus: Liebe, Tod, Natur, Glaube (zum Beispiel auch an die schöpferische Kraft der Dichtung).

Kein Wort ist zu viel, und die «Drei Kurzgeschichten» in seinem neusten Gedichtband «Aus dem Staub» sind dann: «Windrose. Hasenheber. / Läutwerk: Der Widerstand / gegen die Ausführlichkeit / wächst weiter.» Klaus Merz, der viel gehuldigte Minimalist, wird immer radikaler aufs Alter. Und bleibt sich dennoch treu.

Der «Sommer durch die Lamellen», eine «Stellwerkstörung in Liebefeld», der Spiegel über dem Waschbecken oder Zeilen von Gottfried Benn bilden den kreativen Funken für knappe und klare Erkundungen in der Aussen- und Innenwelt des Dichters, dessen Beruf Berufung ist. So lautet das Gedicht «Biographie»: «Im Lauf der Zeit selber / zum Bleistift geworden / der auch ein Bleistift bleibt / wenn er nicht schreibt.»

Betörend, wie Klaus Merz, dessen Texte ein einzigartiges Miteinander von (nie dick aufgetragener) Schwermut und Leichtigkeit bilden, immer wieder ganz nah ans Leben in seiner ganzen Absurdität (Herzoperation und «Aida» im Fussballstadion!) zoomt und an das Lebendige, zu dem auch der Tod gehört, der uns alle miteinander verbindet. Ein frommer Wunsch? Vielleicht, aber aus der Feder von Klaus Merz glaubhaft.

Geben wir dem Schriftsteller das letzte Wort, aus einer Rede, die er am Bettag 2010 im Zürcher Grossmünster gehalten hat: «Worte reichen hinter die Dinge, sie schaffen Verbindungen zum Unerhörten und Unsichtbaren, sie reichen in unsere Geschichte, in unsere tiefsten persönlichen und gemeinsamen Schichten hinab, bauen Brücken zu unseren Nächsten und zu uns selbst.»

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