Nr. 21/2011 vom 26.05.2011

Judihui, Professionalisierung!

Von Etrit Hasler

Die Nachricht ging etwas unter in den Wirrungen der letzten Wochen, dabei ist sie viel wichtiger als jene, wer denn nun Schweizer Fussballmeister geworden ist: Letzten Samstag hat die Delegiertenversammlung des Schweizerischen Fussballverbandes SFV beschlossen, die Challenge League, also die ehemalige Nationalliga B, von sechzehn auf zehn Mannschaften zu verkleinern sowie die höchst attraktiven Barrage-Spiele abzuschaffen – und hat der Liga damit vielleicht den Todesstoss verpasst.

Wer sich wie ich, so weit er nur kann, von den sterilen Stadien und der künstlich aufgeheizten Stimmung der obersten Liga fernhält, für den war die Challenge League ein Refugium: Hier ist Fussball noch Fussball und nicht bloss ein Gefäss für Werbeeinnahmen oder Kampfarena für Halbstarke. Hier fühle ich mich als Fan noch willkommen, sei das zu Hause auf der Winterthurer Schützenwiese, wo die Sicherheitsleute schon gar nicht mehr in meine Tasche schauen wollen («ja, ja, da ist ein Laptop drin, wie jedes Mal ...») und unser wild gewordener Präsident auf den Schiedsrichter einredet, er möge doch bitte aus dem Protokoll streichen, dass die gegnerischen Fans eine kleine Pyro-Show inszeniert haben, immerhin habe das schön ausgesehen, und niemand sei zu Schaden gekommen. Oder eben auswärts, wo man mit offenen Armen empfangen wird, mit «Bier und Bratwurst statt mit Gummischrot», wie es Ex-FC-St.-Gallen-Präsident Michael Hüppi einmal formulierte.

Doch angeblich ist das nicht gut genug: Auch wenn die Saison mindestens genauso spannend ist wie jene der Super League, so interessiert sich medial kein Schwein dafür. Das Schweizer Fernsehen, das nicht müde wird zu betonen, dass die Schweizer Fussballliga eine der spannendsten in ganz Europa sei, ist sich gleichzeitig zu schade, auch nur ein einziges Resultat aus der Challenge League zu erwähnen – nicht einmal im «Sportpanorama», das stattdessen lieber wertvolle Sendezeit an Sportarten wie Korbball, Schwingen oder Beachvolleyball verschwendet. Dass die Challenge League eine hoch attraktive Ausbildungsliga ist, deren Spieler früher oder später auch die oberste Liga prägen, bleibt somit ein Geheimnis, das nur jenen offenbar ist, die sich in den Niederungen fernab medialer Berichterstattung aufhalten.

Nur soll damit jetzt Schluss sein: Nun wird auch die zweite Liga jenem unattraktiven Modus unterworfen, der mit vier Duellen gegen den gleichen Gegner das einzelne Resultat entwertet. Der aus der föderalistischen Grossliga (mit aktuell sieben Deutschschweizer, fünf welschen, drei Tessiner und einem ausländischen Klub) ein gemainstreamtes Monster machen soll, das vor allem einem dient: die grossen Geldmaschinen vor der unsichtbaren Hand des sportlichen Wettbewerbs (um mir ein Zitat von Adam Smith anzueignen) zu schützen. Der Wahn, sich mit überrissenen Stadionprojekten sein eigenes Grab zu schaufeln, hat die Liga bereits erfasst: Sowohl La-Chaux-de-Fonds wie auch Concordia Basel, beides finanziell abgesicherte Traditionsklubs, fielen den grössenwahnsinnigen Plänen ihrer Vereinspräsidenten zum Opfer – Pläne, die von der Swiss Football League geschürt wurden, indem ihnen suggeriert wurde, nur mit einem neuen Stadion sei man auch hier unten überlebensfähig. Dass weitere Klubs folgen werden, wenn nun die Schraube angezogen wird, ist absehbar.

Leidtragende sind dabei nicht zuletzt jene Klubs, die die Verkleinerung gefordert haben: Die Grossklubs der Super League, die damit hoffen, vom Abstieg verschont zu bleiben. Nicht jeder Spieler entwickelt sich bereits in den U21-Jahren zum Leistungsträger. Spieler wie Innocent Emeghara, Moreno Costanzo, Xavier Margairaz und nicht zuletzt Alex Frei fanden erst in der zweiten Liga den Tritt, der sie später nach oben brachte. Und mit einer Verkleinerung um ein Drittel wird der Schweizer Profifussball um ein Drittel des Gefässes ärmer, das ihm seine zukünftigen Stars liefern könnte.

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