Nr. 43/2011 vom 27.10.2011

Erfolg mit links

Pit Wuhrer über den Förderverein ProWOZ

Von Pit Wuhrer

Es ist schon eine Weile her, da veröffentlichte die WOZ einen kuriosen Aufruf. Abonniert die WOZ auf Jahre hinaus zum derzeitigen Preis, hiess es da. Freundlicherweise hatte das Kollektiv auch gleich die Kosten ausgerechnet: Für ein Zehnjahresabo wären 1280 Franken fällig gewesen, dreissig Jahre WOZ hätten 3840 Franken gekostet. Von heute aus betrachtet ein unglaublich günstiges Angebot – zumal es mit einem Wettbewerb verbunden war: «Wer am weitesten vorausabonniert, erhält den ganzen Betrag zurück und ist für diese Zeit unser gefeierter Gratisabonnent.»

Leider fand die Offerte wenig Beachtung. Kein Wunder: Anfang 1984 steckte das Kollektiv – für alle erkennbar – in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten; da mochte niemand an eine lange Existenz glauben. Und so musste eine andere Idee her, die dann besser zündete. Kurz darauf, noch im Juni 1984, wurde der ProWOZ gegründet, ein Verein, dem angehören darf, wer den doppelten Abopreis bezahlt. Das funktionierte erstaunlicherweise. Und es funktioniert noch immer: Heute zählt der Förderverein rund 830 Mitglieder.

Dass linke, der Aufklärung verpflichtete Medien auf Unterstützung angewiesen sind, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Anzeigenerlöse sind meist recht gering, die Verkaufszahlen oft eher bescheiden. In den USA zum Beispiel (vgl. Seite 31) gibt es ähnliche Basisinitiativen – und auch Stiftungen, die allerdings den Nachteil haben, dass sie von vermögenden Einzelpersonen abhängig sind. Auf reiche GönnerInnen war die WOZ erfreulicherweise nie angewiesen, auch nicht in der Krise 2005, als das selbst verwaltete Zeitungsprojekt – wie 1984 – finanziell auf der Kippe stand. Es konnte ja auf das Engagement der ProWOZ-Mitglieder zählen.

Heute ist die Lage entspannter. Heute müssen die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des ProWOZ-Vorstands – derzeit sechs Frauen und zwei Männer – nicht von einer Krisensitzung zur nächsten hasten. Genug zu tun haben sie trotzdem. Wer schreibt den Werbebrief an die WOZ-AbonnentInnen? Wie machen wir den Förderverein bekannter? Wer trifft sich mit den Leuten von der Werbeagentur? Sollte demnächst nicht noch ein Flyer für den Recherchierfonds der Zeitung beigelegt werden? Und wie stehen die Chancen auf eine Anerkennung als gemeinnütziger Verein?

Der ProWOZ und die Solidarität der WOZ-LeserInnen sind immer noch entscheidend. Denn ohne sie gäbe es die WOZ nicht – und dank des ProWOZ ist sie vielleicht die erfolgreichste linke Zeitung Europas. Das klingt etwas vermessen, ist es aber nicht: Die WOZ hat derzeit eine verkaufte Auflage von rund 15 700 Exemplaren – in einem Verbreitungsgebiet mit etwa 5,2 Millionen deutschsprachigen SchweizerInnen. Laut Angaben des Medienforschungsinstituts Wemf lesen 114 000 SchweizerInnen regelmässig die WOZ. Nirgendwo sonst erfährt eine dezidiert linke Zeitung anteilmässig so viel Zuspruch – weder in Italien noch in Spanien, Frankreich, Britannien, und schon gar nicht in Österreich. Auch in Deutschland mit seinen 82 Millionen EinwohnerInnen nicht, wo die linksliberale «taz» täglich 55 000 Zeitungen verkauft, das «Neue Deutschland» eine Auflage von knapp 39 000 hat, die Tageszeitung «Junge Welt» vielleicht auf 17 000 Exemplare kommt und die Wochenzeitung «Freitag» ihre Auflage nicht mal mehr prüfen lässt.

Nirgendwo deckt der Verkaufserlös die Kosten, und so haben sich beispielweise «taz» und «Junge Welt» ein Genossenschaftskonzept einfallen lassen – allerdings nicht eine MacherInnenkooperative à la WOZ mit Einheitslohn und null Hierarchie. Sondern eine Genossenschaft der LeserInnen (bei der «taz» sind es 11 000 , bei der «Jungen Welt» 1760), die einmal eine Einlage zeichnen. Da ist das ProWOZ-Modell zukunftsweisender und stabiler, denn mit dem doppelten Abo-Beitrag – der wiederkehrt – lässt es sich besser kalkulieren. Ach, übrigens: Im ProWOZ sind noch Plätze frei.

Pit Wuhrer ist seit zehn Jahren der Delegierte der WOZ-Redaktion im ProWOZ-Vorstand.

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