Nr. 47/2011 vom 24.11.2011

Salongespräche

Von Stephan Pörtner

Im literatischen Salon der Mathilde Zimmermann kamen jeden zweiten Mittwoch allerlei eher unbedeutende, dafür umso grossmäuligere Literaten, Künstlerinnen und Altliberale zusammen, um über derart verstaubte und unbedeutende Themen Diskussionen zu führen, die nicht nur jeder wissenschaflichen Grundlage und minimalen Sachkenntnis entbehrten, sondern auch in einem ausgesucht gehässigen und beleidigenden Ton geführt wurden, dass sich selbst die Hunde in die Küche verzogen. Der gutmütigen Frau Zimmermann, der die Bande, nachdem sie gefressen und gesoffen hatte, auch noch ihren Wohlstand und Kunstsinn vorwarf, blieb nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass die finsteren Zeiten auch in der Provinz nicht ewig dauern würden.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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