Nr. 51/2011 vom 22.12.2011

Spuk im Einkaufsparadies

Von Stephan Pörtner

Im Einkaufsparadies Obenauf herrschte Krieg. Niemand brauchte etwas, aber alle wollten es, und zwar sofort und in grossen Mengen und zu günstigem Preis. Die Geschäftsinhaber hatten sich Mühe gegeben, die Massen durch noch gemeinere Kombi-Angebote, himmeltraurigere Fantasielosigkeit und einer unkaschierten, ja schreienden Zurschaustellung des unbedachten und reinen Gewinnstrebens fernzuhalten. Doch weil die Leute heuer nichts zu lachen gehabt hatten, gingen sie aufeinander los und rissen sich aus den Händen, was die Auslagen hergaben. Sogar der trostlose Festtagsschmuck wurde zerzaust und entwendet, vor lauter Missgunst den Mitkonsumenten gegenüber. Nach vier Wochen war der Spuk vorbei, und man tat wieder halbwegs zivilisiert.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. In der WOZ Nr. 51/11 findet sich seine Erzählung «Fremder Freund».

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