Nr. 05/2012 vom 02.02.2012

Die Zahlen und die drei D

Von Jan Jirát

Das Weltwirtschaftsforum (Wef) in Davos ist eine «der wichtigsten wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Veranstaltungen der Welt». Kurz: ein Abbild der globalen Machtverhältnisse.

Und das sah dieses Jahr so aus: Gesamthaft haben 2500 Personen aus rund 90 Ländern am Wef teilgenommen. (Die Welt besteht momentan aus 194 Ländern.) 1500 davon stammten aus der Wirtschaft; sie wurden von 120 «Young Global Players» sekundiert. Hinzu kamen 200 RegierungsvertreterInnen. Zahlreich vertreten war auch die Presse, 420 JournalistInnen berichteten vom Wef, 100 davon aus der Schweiz – exklusive WOZ, der dieses Jahr die Akkreditierung verweigert wurde.

Eine marginale Rolle spielten die 40 VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen, die 15 GewerkschafterInnen und die 20 religiösen FührerInnen.

Aussagekräftig sind auch die Zahlen rund um die Sicherheit am Wef: 8 Millionen Franken beträgt das Kostendach, für das grosszügigerweise die öffentliche Hand aufkommt. Hinzu kommen 1,5 Millionen Franken für den Armeeeinsatz. Diesen Sicherheitskosten steht auch ein satter (privater) Mehrumsatz gegenüber. Das sagt zumindest eine HSG-Studie, gemäss der die «wirtschaftlichen Effekte des Wef» einen Mehrumsatz von fast 42 Millionen Franken ausmachen – vor allem für die Verkehrs- und Luftverkehrsbranche (vgl. Seite 7) sowie die Hotellerie und Gastronomie.

Unbekannt ist die genaue Zahl der eingesetzten Sicherheitskräfte. Während die Armee bekannt gibt, mit maximal 5000 Angehörigen in Davos präsent gewesen zu sein, schweigen die Polizei und der Wef-Ausschuss darüber, wie viele weitere Personen im Sicherheitsbereich eingesetzt wurden.

Die Sicherheitskräfte erhielten am diesjährigen Wef übrigens eine eigene Zeitung: «Cuminaivel» erschien täglich in drei Sprachen (nicht auf Rätoromanisch). Das Blatt lobte ausdrücklich die «3D-Strategie» – «Dialog», «Deeskalation» und «Durchgreifen» – gegen die «hundert» Anti-Wef-DemonstrantInnen vom letzten Samstag. Dass die Reihenfolge am Rande der Demo durcheinandergeriet und die Polizei sogleich zum Pfefferspray griff («Durchgreifen») – wie ein YouTube-Video zeigt – kann ja mal passieren.

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