Nr. 09/2012 vom 01.03.2012

Stalins Reservate

Von Susi Stühlinger

«Wollen Sie all das?», fragt eine anonyme Gruppe von engagierten GegnerInnen der Zweitwohnungsinitiative. Also: Wollen Sie, dass ein hochhausgrosser Kerl mit Schnauz (Stalin? Saddam? Öcalan? Paul Rechsteiner?) mit Hammer und Sichel auf den Dachstock ihres Chalets einhackt? Die SVP Schweiz hat das Inserat, welches das Komitee «NEIN zur Zweitwohnungsinitiative, Postfach 4051, 1950 Sitten 4» ganzseitig in Tageszeitungen schaltet, gleich für die eigene Kampagne auf ihrer Website übernommen. Und während das blonde Liesl auf der Illustration entsetzt vor Stalin/Saddam/Öcalan/Rechsteiner aus dem Hüttli flüchtet, sorgt sich das Komitee im darunterstehenden Argumentarium: «Nur mehr die Reichen werden sich in Zermatt und St. Moritz Ferien leisten können.» Und schlussfolgert: «Nein zur Planwirtschaft mit dem Ziel zur Bildung von Reservaten». Das finden wir gut, da wir jener breiten Unter-/Mittelschicht angehören, die Zermatt und St. Moritz seit je zu den prädestinierten Ferienorten auserkoren hat, und übernehmen freudig das Logo und den Slogan «Nein zur Planwirtschaft mit dem Ziel zur Bildung von Reservaten» – zum Beispiel in Zug oder Obwalden oder Rüschlikon, wo die Bürgerlichen schon lange am Aufbau von steueroptimierten Reservaten arbeiten.

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