Nr. 09/2012 vom 01.03.2012

Flagships: Wer zahlt?

Der Bund ist stolz auf die beiden ETHs, sind sie doch an fünf der sechs Pilotprojekte der Flagship-Initiative der EU beteiligt, zwei davon leiten sie gar. Ist eines dieser beiden Forschungsvorhaben erfolgreich, wird die Schweiz über die Hälfte des Milliardenprojekts mitfinanzieren müssen. Am 22. Februar hat der Bundesrat in seiner Botschaft für Bildung, Forschung und Innovation (BFI) für die Jahre 2013 bis 2016 klar gemacht: Die Flagshipprojekte besitzen hohe Priorität – und der vom Bund mit einem Globalbudget ausgestattete ETH-Bereich muss selbst schauen, wie er sie daraus finanziert.

Für die ETHs und den ETH-Rat, der das Globalbudget verwaltet, ist das bitter. Ein jährliches Wachstum der Bundesmittel um 6 Prozent haben sie für 2013 bis 2016 gefordert, um strategische Forschungsziele verwirklichen und die Qualität der Lehre sicherstellen zu können. Erhalten sollen sie nur 3,9 Prozent. Davon «muss ein substanzieller Anteil für Investitionen in grosse Forschungsinfrastrukturen sowie für Grossforschungsprojekte eingesetzt werden». Und dazu gehören, so der Bundesrat, auch die Flagshipprojekte. Für die ETH Lausanne und ihr Blue-Brain-Projekt sind das gute Neuigkeiten: Der Supercomputer, der das menschliche Gehirn simulieren soll, wird so oder so gefördert. Macht eines der Schweizer Flagshipprojekte dieses Jahr aber das Rennen um die (vermeintliche) EU-Milliarde, müssen nicht nur kleinere Forschungsprojekte um ihre Gelder bangen. Auch die Studierenden werden das Nachsehen haben.

Der Ball liegt beim Parlament: Es muss die BFI-Botschaft erst noch annehmen. mei

Nachtrag zu Artikeln in WOZ Nrn. 21/11, 44/11 und 4/12.

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