Nr. 09/2012 vom 01.03.2012

Ungeordnete

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt, salopp formuliert, dass der Weltenlauf ständig zur Unordnung neigt. Das ist nicht neu; relativ neu ist aber, dass man Menschen, die besonders stark im Spannungsfeld von Chaos und dessen Beherrschung stehen, «Messies» nennt und dem Messie-Phänomen Bücher und Filme widmet, zum Beispiel den Streifen «Messies, ein schönes Chaos». Dass ein Chaos manchmal auch in Redaktionsoberstübchen wütet, zeigte die Ankündigung im «Tages-Anzeiger»: «Messias, ein schönes Chaos». Jaja, wenn mans nicht mehr im Griff hat, solls der Messias richten. Jürg Fischer

Gewählte

«Was, wenn der US-Präsident mittels einem Gesangswettbewerb auserkort würde?», fragte der «Tages-Anzeiger» online (inzwischen korrigiert). Wir fragen zurück: Was, wenn unsere gesamte Grammatik nur noch mittels eines Zufallsgenerators zustande käme?
Jürg Fischer

Transkribierte

Einen Vorgeschmack auf diese Vision lieferte der «Sonntagsblick» im Interview mit Melanie Winiger, die sich nach der Trennung von Rapper Stress folgendermassen geäussert haben soll: «Er ist immer noch einer der Menschen, den ich am meisten respektiere – weltweit und für immer, was auch passiert. Ich finde Stress nach wie vor einer der besten Musiker, einer der aufrechtesten Personen.» Da sich Frau Winiger im Allgemeinen der Mundart bedient, wird sie es nämlich so nicht gesagt haben. Doch der ihre Antwort aufschrieb, mag zwar auch einer der aufrechtesten Personen sein, sprachlich finden wir ihn keiner der besten. Aber bei Journalisten zählt schliesslich nur das Herz.
Karin Hoffsten

Stolpernde

«Altbundeskanzler Helmut Kohl hat nach der Bundestagsabstimmung über das zweite Griechenland-Paket die Euro-Skeptiker in den eigenen Reigen zur Ordnung gerufen», berichtete «NZZ Online». Da beim Menuett nicht nur diverse Koalitionsmitglieder aus der Reihe getanzt sind, sondern Innenminister Friedrich der Kanzlerin auch noch mitten in einer komplizierten Drehung das Bein gestellt hat, wird Angela Merkel die Unterstützung schätzen.
Karin Hoffsten

Harmonische

Wie kürzlich hier erwähnt, gibt der «Blick am Abend» regelmässig zwei einsamen Herzen eine 
Chance. Angesichts der jeweiligen «Singles des Tages» stellt sich ab und an die Frage, warum sich nicht einfach die gemeinsam Abgedruckten mal zum Kaffee treffen. Vladica und Estefania etwa weisen hohe Übereinstimmung auf: Der Polymechaniker sucht «eine ehrliche und hübsche Frau, die gläubig ist», während die Krankenschwester gern «Sex in der Kirche» erleben würde. Wir räumen aber ein, dass es zu Konflikten mit der Gemeinde kommen könnte.
Karin Hoffsten

Versalzene

Im «Tagblatt der Stadt Zürich», das nur am Mittwoch erscheint, heisst die Schatzchäschtli-Rubrik «Die Liebeserklärung». Eine solche platzierte dort kürzlich ein gewisser Mario: «Hallo Spatz! Das war ein tolles Weekend. Alles hat gestimmt. Und endlich hast du auch das Kochen im Griff …» Vielleicht merkt Mario, was er da abgesondert hat, wenn ihm der «Spatz» die nächste Mahlzeit mit Glaubersalz würzt.
Karin Hoffsten

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