Nr. 10/2012 vom 08.03.2012

Der Iran im grünen Sommer 2009

Von Florian Vetsch

Zu den herausragenden Graphic Novels der letzten Jahrzehnte, zu Keiji Nakazawas «Barfuss durch Hiroshima», Art Spiegelmans «Maus» und Joe Saccos «Palästina», gesellt sich ein neues Meisterwerk: «Zahra’s Paradise» von Amir (Text) und Khalil (Zeichnungen). Die Namen sind Pseudonyme, aus verständlichen Gründen: «Zahra’s Paradise» führt in die Binnenperspektive des brutal unterdrückten Widerstands nach den manipulierten Wahlen im Iran im Sommer 2009 ein.

«Zahra’s Paradise», benannt nach dem grossen Friedhof bei Teheran, erzählt die verzweifelte Suche einer Mutter nach ihrem Sohn Mehdi. Er hatte in Teheran unter drei Millionen Menschen an den Demonstrationen teilgenommen, die das Wahlresultat – Ahmadinedschads klaren Sieg – infrage stellten und anklagten: «Where is my vote?» Die regierungshörigen Basij-Milizen schlugen den Aufstand blutig nieder. Mehdi kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Sein Verschwinden hinterlässt eine grausame Leere. Zusammen mit ihrem zweiten Sohn Hassan, einem Blogger, stellt die Mutter Nachforschungen in Spitälern, Gefängnissen, Leichenhallen und Friedhöfen an. Dabei begegnen sie einem Zeugen, der den Jungen im berüchtigten Kahrizak-Gefängnis getroffen hat: Seine Schilderungen der Repressalien erhärten den Verdacht, dass Mehdi durch Folter und Vergewaltigung entwürdigt und schliesslich umgebracht wurde.

Der Mut, mit dem Mutter und Sohn gegen die korrupten Institutionen ankämpfen, beeindruckt enorm, ebenso die porträtierten Menschen, die sich gegen die Unterdrückung wehren. Am Ende wird Mehdis Leichnam in einem versiegelten Sarg der Mutter für das Begräbnis auf Zahra’s Paradise ausgehändigt.

Dem Buch ist ein wertvoller Anhang beigegeben: Er enthält ein Glossar, Fakten zu den Präsidentschaftswahlen, der Todesstrafe im Iran, der Symbolfigur Neda Soltani und den Recherchen der «Abdorrahman Boroumand Foundation for the Promotion of Human Rights and Democracy in Iran».

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