Nr. 10/2012 vom 08.03.2012

Was Ihr wollt

Von Karin Hoffsten

In bestimmten Situationen schätze ich fundierte Beratung erfahrener Fachleute. Dass sich als Beistand in Ehekrisen katholische Geistliche besonders eignen, war mir neu. Der Bischof von Chur etwa, Vitus Huonder, kennt die Probleme: «Jede Ehescheidung ist ein menschliches Drama.» Wer also wäre besser geeignet als er, «solche Dramen vermeiden zu helfen» und den Gebeutelten «mit besonderem Feingefühl» beizustehen?

So hat es der Herr Bischof in einem Hirtenbrief formuliert, über den sich nun landauf, landab die KatholikInnen aufregen. Dabei hat der Mann nur wiederholt, was all die greisen Hagestolze, denen er beruflich verpflichtet ist, auch schon gesagt haben: dass Geschiedene, die wieder heiraten, von den heiligen Sakramenten ausgeschlossen werden – Schluss also mit Oblaten und Wein!

Ganz davon abgesehen, dass sich ein Stück Brot und ein süffiger Roter zu Hause gemütlicher geniessen lassen, scheinen KatholikInnen den Ärger zu lieben. Denn wer freiwillig katholisch ist, weiss schliesslich, wer im Verein den Vorstand stellt und das Sagen hat: alte, uralte, steinalte Männer mit einem Hang zum Ritual und langen Kleidern.

Also spricht der Herr: So Ihr im Zorne gegen sie Erlösung findet, müsset Ihr ihnen die Treue halten. (unbek. Kor. 13, 5)

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