Nr. 10/2012 vom 08.03.2012

Bessere Zahlen verdecken die schlechte Realität

Über zwei Milliarden Menschen mehr als 1990 haben heute einen besseren Zugang zu einigermassen sauberem Trinkwasser. Anders ausgedrückt bedeutet dies: 89 Prozent der Weltbevölkerung. So weit die gute Nachricht, die Anfang Woche vom JMP, einem gemeinsamen Programm der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem UN-Kinderhilfswerk Unicef, veröffentlicht wurde. Sie bedeutet auch, dass die Uno ihr Millenniumsentwicklungsziel (MDG) Nummer sieben frühzeitig erreicht hat, das die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser bis 2015 halbieren wollte.

Dennoch ist Optimismus fehl am Platz. So bedeutet der Umkehrschluss, dass noch immer 11 Prozent der Weltbevölkerung, also rund 783 Millionen Menschen, kein sauberes Trinkwasser besitzen. Hinzu kommt, dass 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einfachsten sanitären Einrichtungen wie etwa Latrinen haben.

Was bleibt, ist Zweckoptimismus. So gab die Weltbank Ende Februar bekannt, dass ein anderes Entwicklungsziel vorzeitig erreicht worden sei: die Halbierung der extremen Armut in den Entwicklungsländern. Im Vergleich zu 1990, als 43 Prozent der Weltbevölkerung von 1,25 US-Dollar oder weniger am Tag leben mussten, waren es 2010 «nur» noch 22 Prozent.

Für Martin Ravallion, Direktor bei der Weltbank, bedeutet dies einen bemerkenswerten Fortschritt bei der Bekämpfung der extremen Armut und dass «sich die Entwicklungsländer als resistent gegen die wirtschaftlichen Schocks sowie die steigenden Nahrungsmittel- und Ölpreise der letzten Zeit zeigen».

In beiden Berichten werden die Resultate von den MacherInnen jedoch selbst stark relativiert. So würden sich bei allen Fragen gravierende Unterschiede zwischen Stadt und Land wie auch zwischen den untersuchten Staaten zeigen: Die meisten Verbesserungen hätten in China stattgefunden, wogegen sich die Situation im gleichen Zeitraum in Afrika gar verschlechtert habe.
Sonja Wenger

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