Nr. 11/2012 vom 15.03.2012

Raffinessen einer Verführungskunst

Raffinessen einer 
Verführungskunst

Bevor man sich die gleichnamige Verfilmung, die im April ins Kino kommt, ansieht, empfiehlt sich die Lektüre von Guy de Maupassants «Bel-Ami». Der Roman ist spannend, witzig und von einer perversen Erotik, eine bitterböse Satire über Sex, Macht und … noch einmal Sex. Oder besser: über die Macht der Verführung. Denn tatsächlich besitzt der Protagonist Georges Duroy nur zwei Talente: Skrupellosigkeit und Charme. Diese Eigenschaften öffnen ihm im Paris des späten 19. Jahrhunderts alle Türen und bringen den mittellosen Emporkömmling aus der Provinz zu Geld und Ruhm.

Als unbegabter Schreiberling blamiert er sich bei einer Zeitung, bis er merkt, dass sich sein Kollege Forestier erst durch die Ehe mit Madeleine zu einem erfolgreichen Autor entwickelte. Kurzerhand spannt er dem Freund das Talent aus. Madeleine hat nicht nur eine brillante Feder, sondern auch sehr viele «Freunde», und schon bald geht es mit Georges steil aufwärts. Um sich einen adligen Anstrich zu verschaffen, unterschreibt er die Texte von nun an mit «Du Roy»; ansonsten konzentriert er sich aufs Verführen, Entführen, Heiraten. Denn die eigentlichen Schlüsselfiguren zum Erfolg, das merkt «Bel-Ami» schnell, sind Frauen. So schläft er sich Zug um Zug nach oben und bricht so manches Herz.

Ganz im Stil des 19. Jahrhunderts – der Roman erschien 1885 – dreht sich hier alles um die Raffinessen einer Verführungskunst, die weniger über die Schönheit der Körper als über die Erotik der Sprache funktioniert. Lügen, Versprechen, Schmeicheln, Drohen, Gestehen …

Martina Süess

Guy de Maupassant: «Bel-Ami». Deutscher Taschenbuchverlag 2011. 415 Seiten. Fr. 15.90.

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