Nr. 11/2012 vom 15.03.2012

Millionen Klicks gegen den Kriegsverbrecher

Mit einem halbstündigen Video will die US-amerikanische nichtstaatliche Organisation Invisible Children (IC) den international schon länger gesuchten ugandischen Kriegsverbrecher Joseph Kony dingfest machen. Was naiv klingt, hat zum bisher wohl grössten «viralen» Kampagnenerfolg geführt: Innerhalb von sechs Tagen soll der Film hundert Millionen Mal angeschaut worden sein. Über soziale Medien und Stars wie Angelina Jolie oder Oprah Winfrey wird die Botschaft weiterverbreitet.

Dass eine solche Kampagne nicht der komplexen Realität gerecht werden kann, liegt in der Natur der Sache – ist aber gerade für viele UganderInnen bedeutsam. Kony und seine Lord’s Resistance Army (LRA) haben schwerste Verbrechen begangen und über 25 000  Kindersoldaten zwangsrekrutiert. Er ist jedoch seit 2005 nicht mehr in Uganda aktiv. Im Film wird Kony mit Verbrechen in Uganda gleichgesetzt, was gemäss verschiedenen ugandischen PublizistInnen vor allem gängige Klischees über die Region zementiere und die weitere Normalisierung behindere.

Die Kampagne zeigt bereits erste Resultate in der realen Welt. IC will durch öffentlichen Druck insbesondere die US-Regierung dazu bringen, noch stärker auf die Festnahme Konys hinzuwirken. Genau das haben am Dienstag zwei Repräsentanten im US-Kongress gefordert – in ihrer Resolution bezogen sie sich direkt auf die Kampagne.

Ob IC die neu gewonnenen Fans auch zu AktivistInnen machen kann, wird sich am 20. April weisen: Ausgerechnet an Hitlers Geburtstag lanciert sie eine weltweite Plakatierungsaktion. Auf den verkauften Plakaten steht natürlich Konys dunkles Konterfei im Vordergrund – dicht gefolgt von Bin Laden und Hitler.

Markus Spörndli

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