Nr. 11/2012 vom 15.03.2012

Der Preis für die Exlibrisierung

Von Adrian Riklin

Vor wenigen Wochen noch hatten die BefürworterInnen der Buchpreisbindung laut Umfragen eine Mehrheit – im Lauf der Abstimmungskampagne schrumpfte die Zahl. Wie schon bei anderen Abstimmungen kippte der Kampf in den letzten Spielminuten.

Klar: Die Wiedereinführung einer Buchpreisbindung wäre kein Allheilmittel für die Branche gewesen. Sie hätte nie gereicht, um das Buchladensterben zu stoppen. Aber sie hätte die auch technologisch bedingte Krise entschärfen können. Geholfen hätte sie vielen, geschadet niemandem – ausser vielleicht Ex Libris. Die Migros-Tochter, die mit den Jungparteien der SVP und FDP sowie den Grünliberalen gegen die Preisbindung kämpfte, kann nun den Markt noch hemmungsloser mit billigen Bestsellern überhäufen – und so weitere Buchläden verdrängen, Verlage gefährden und AutorInnen verhindern.

Zur Förderung der kulturellen Vielfalt wäre die Preisbindung eine elegante Einrichtung gewesen: keine Subventionierung mit Steuergeldern wie in der Landwirtschaft oder wie in anderen Kulturbranchen, sondern eine schlichte Preisregelung ohne Bevorteilung der einen oder anderen – mit der Konsequenz, dass auch Bücher von unbekannten AutorInnen für die breite Bevölkerung bezahlbar würden.

Nun aber werden Bestseller noch billiger und damit wohl noch zahlreicher gekauft – und der Rest teurer und noch weniger gelesen. Und so fort. War es das, was die bürgerlichen Jungparteien anstrebten? Kaum. Viel eher wohl witterten sie in dieser Abstimmung eine passende Gelegenheit, sich zu profilieren – und landesweit ein neoliberales Exempel zu statuieren. Dafür war ihnen jede Augenwischerei recht: Ein «Komitee Nein zu überteuerten Büchern» suggerierte, dass mit der Preisbindung alle Bücher teurer würden. Statistiken des Bundesamts für Kultur und aus anderen Ländern zeigen: Teurer werden damit nur Bestseller – der Rest wird günstiger.

Dreissig Millionen Franken hat Ex Libris nach eigenen Angaben investiert, um sich die Rabatte auf seine Bestseller leisten zu können. Für die Migros-Tochter scheint sich das Risiko zu lohnen. Der volkswirtschaftliche, kulturelle und bildungspolitische Preis für diese Exlibrisierung jedoch ist hoch.

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