Nr. 11/2012 vom 15.03.2012

Werden aus kalten jetzt warme Betten?

Von Esther Banz

Das Unterland hat die Alpenkantone überstimmt: zwanzig Prozent Zweitwohnungen und nicht mehr. Wo es doch in vielen Berggemeinden bereits siebzig Prozent und mehr sind. Deshalb hatte die Initiative von Franz Weber ja überhaupt eine Chance: weil weder die bisherigen Gesetze noch das neue Raumplanungsgesetz oder die freiwilligen Massnahmen griffen. Die Bauindustrie und ihre Lobby sind stärker als die VertreterInnen von Landschaftsschutz und Nachhaltigkeit. So war bis anhin auf Gemeindeebene vieles möglich, die Zersiedlung ist Ausdruck davon. So wäre es ewig weitergegangen. Wird sich das jetzt ändern mit der Zweitwohnungsquote? Schön wärs.

Das Problem der «kalten Betten» war längst bekannt, sonst hätte man den Begriff der «warmen Betten» nicht erfunden. Als warme Betten gelten bewirtschaftete Zweitwohnungen, etwa in Resorts. Sind sie warm genug, dürfen sie weiterhin gebaut werden. Das sagte im Abstimmungskampf sogar Vera Weber, Kampagnenleiterin der Initiative. Darauf wird sie behaftet werden, wenn sie an der Umsetzung der Initiative mitarbeitet, die noch vieles offenlässt. Warme Betten sind erwünscht: Die Gemeinden werden für die Resorts wenn nötig auch Kulturland und Trockenwiesen einzonen wollen. Auf die Umweltverbände wird viel Arbeit zukommen. Denn mit dem Versprechen der warmen Betten holt man sich in den von Abwanderung betroffenen Gemeinden Stimmen. Jetzt mehr denn je.

Weil es nur ganz wenige gibt, die sich trauen, die Entwicklung als Ganzes infrage zu stellen. Und weil es in den Gemeinden und Kantonen an Leuten fehlt, die in andere Richtungen denken, sich aus dem Schneekanonen-Wachstum-Dogma befreien. Ein Gemeindepräsident sagte auf die Frage, was angesichts des Klimawandels mit einem Skigebiet passieren werde, das auf einen Sonnenhang gebaut wurde: «So weit gehen unsere Überlegungen doch nicht! Da müssten sich sonst ja noch viele Gedanken machen.»

Ja, da müssen sich noch viele Gedanken machen. Das Ja zur Initiative könnte Anlass dazu sein.

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