Nr. 13/2012 vom 29.03.2012

Im Zweifel für die Händler

Von Bettina Dyttrich

«Heute müssen Länder ihre Nahrung exportieren, obwohl sie nicht genug für die eigene Bevölkerung haben. Länder, die genug hätten, müssen Importe zulassen», so der Indonesier Henry Saragih von der globalen bäuerlichen Dachorganisation Via Campesina 2008 zur WOZ. «Ein blödes System. Davon profitieren nur die Händler.»

Handels- und Verarbeitungsfirmen profitieren von liberalisierten Agrarmärkten – das trifft auf der ganzen Welt zu, beim indonesischen Reis wie bei der Schweizer Milch. Denn die Unternehmen sind mobil, international tätig und können Rohstoffe fast überall einkaufen. BäuerInnen sind aber die immobilsten aller «Marktteilnehmer»: Sie sind an den Boden gebunden und können nur sehr beschränkt entscheiden, wem sie ihre Produkte verkaufen. Je globalisierter die Agrarindustrie ist, desto stärker sind BäuerInnen Preisschwankungen ausgeliefert.

Letzte Woche war Henry Saragih wieder in der Schweiz. Denn der Uno-Menschenrechtsrat tagte in Genf, und Via Campesina versucht, den Schutz der BäuerInnen auf Uno-Ebene zu verankern. In der vorbereitenden Uno-Studie ist etwa vom Recht der BäuerInnen auf Ernährungssouveränität, auf Landbesitz und auf faire Preise die Rede. Zentral erwähnt wird auch das Recht, selbst über Saatgut zu entscheiden – angesichts der Patentansprüche internationaler Unternehmen keine Selbstverständlichkeit. Acht Länder, sieben davon aus dem globalen Süden, äusserten sich positiv zum Vorhaben. Dagegen äusserte sich nur eines: die Schweiz. Die bestehenden völkerrechtlichen Instrumente würden ausreichen, sie müssten nur angewendet werden.

Die bäuerliche Gewerkschaft Uniterre, die Via Campesina angehört, sowie die Hilfswerke Fastenopfer, Brot für alle und Swissaid protestieren. Henry Saragih ist schockiert, dass ausgerechnet das Land, das den Menschenrechtsrat beherbergt, sich querstellt. Wen wunderts? Die Schweiz beherbergt mit Syngenta auch einen Global Player auf dem Saatgutmarkt. Sie ist zwar berühmt für ihre Bauern (warum eigentlich nicht für die Bäuerinnen?). Im Zweifelsfall aber entscheidet sie immer zugunsten der Händler.

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