Nr. 14/2012 vom 05.04.2012

Stipendien rauf statt Studiengebühren

Von Andreas Schneitter

Droht eine Erhöhung der Semestergebühren, dann gehen StudentInnen demonstrieren. Das war in Zürich vor wenigen Tagen so, als rund 200 Studierende gegen eine Erhöhung der Gebühren um 160 Franken jährlich demonstrierten. Das war in Bern nicht anders, wo der Grosse Rat im Herbst 2011 den Studienbeitrag an die Universitätsausbildung um 150 Franken pro Semester angehoben hat. Und in Basel fürchtet die Studierendenvertretung Skuba einen «Angriff» auf die Universität, weil der Kanton Baselland, paritätisch mit Basel-Stadt Hauptträger der Universität Basel, wegen seiner finanziellen Schieflage auch an den Bildungsausgaben sparen wolle.

Tatsächlich steigen die Gebühren regelmässig, zu Beginn der neunziger Jahre lag der Schweizer Schnitt bei 100, heute bei 700 Franken. An den Universitäten schleiche sich ein «Numerus clausus über das Portemonnaie» ein, kritisiert die Zürcher Juso und sieht die Chancengleichheit gefährdet. Darum, so der Schluss: Studiengebühren einfrieren oder gleich abschaffen.

Warum auch nicht? Weder in Basel noch in Bern oder Zürich stellen die Studierendenbeiträge einen wesentlichen Teil des Universitätsbudgets dar, sondern sie decken gerade mal zwei bis drei Prozent. Kommt hinzu, dass manche EU-Länder wie Frankreich, Dänemark oder auch das von der Pisa-Studie so hoch gelobte Finnland gar keine Semestergebühren verlangen.

Allerdings werden in der Schweiz die Universitäten in erster Linie von den Kantonen finanziert, und das Beispiel des klammen Baselland deutet an, wo die Risiken liegen. Fallen diese zwei bis drei Prozent weg, entgingen beispielsweise der Uni Basel rund dreizehn Millionen Franken. Damit lassen sich ein paar Lehrstühle finanzieren. Statt die Unis durchs Gratisstudieren zum Sparen zu nötigen, ist es sinnvoller, Studierende mit einer weniger begüterten Herkunft stärker zu unterstützen, wie es die Absicht der kürzlich vom Verband der Schweizer Studierendenschaften eingereichten Stipendieninitiative ist. Bildung als Menschenrecht, das ist schon richtig. Dass sie auf Universitätsstufe umsonst sein soll, steht hingegen in keiner Uno-Charta.

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