Nr. 14/2012 vom 05.04.2012

Die Unbeugsamen

Von Karin Hoffsten

Gemäss Hochrechnungen wächst die Anzahl alter Menschen in der Schweiz rasant. Doch weder die drohende AHV-Lücke noch weitere Pensionskassendebakel machen mir daran Angst – es ist der um sich greifende Altersstarrsinn.

Kürzlich kamen wir beim Abendessen mit FreundInnen auf diverse Eltern zu sprechen, deren Seh-, Hör- und Gehvermögen langsam nachlassen: Massenhaft werden da die Hörgeräte verweigert, weil sie drücken, zu laut sind, nur Batterien verbrauchen und ausserdem überhaupt nicht nötig sind – das «Kind» müsste nur laut genug reden. All die Armbänder mit Notfallknopf liegen gut versorgt in Schubladen, die kann man immer noch rausholen, wenn man sie mal braucht.

Das Lesen fällt zunehmend schwer, doch die geschenkten Hörbücher verstauben im Regal – schliesslich sind die nur für Blinde. Und der Vorschlag, es doch mal mit einem Rollator zu versuchen, weil der Gang beängstigend zittrig wird, löst bei Neunzigjährigen Hohnlachen aus: Damit soll man auf keinen Fall zu früh beginnen!

Aber richtig schlimm ist das doch alles gar nicht. Auf greise Eltern kann man zu Hause – oder notfalls im Heim – aufpassen, und NationalrätInnen sind ja bis zum Hinschied im rollstuhlgängigen Bundeshaus gut aufgehoben.

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