Nr. 24/2012 vom 14.06.2012

Welt in der Schweiz

Von Anna Wegelin

Sie stehen mitten im Leben, üben interessante Berufe aus und sind starke Persönlichkeiten: die sechzehn selbstbewussten Frauen und Männer im Buch mit dem plastischen politischen Titel «Wenn es um die Wurst geht, kämpfe ich».

Der Porträtband versammelt kurzweilige Texte über «die neuen Schweizerinnen und Schweizer»: Menschen, die schon lange oder schon fast einen Schweizer Pass und ihre Wurzeln – im einen oder anderen Fall zumindest zum Teil – in einem anderen Land haben. Die Kurzporträts stammen aus einer Sommerserie des Feuilletondiensts der Schweizerischen Depeschenagentur. Geschrieben haben sie gestandene PublizistInnen, die Bilder hat Alessandro Della Bella von der Fotoagentur Keystone gemacht.

Da sind etwa: die vitale ghanaisch-schweizerische Inhaberin eines African-Allround-Geschäfts in Bern, die leidenschaftliche Theaterfrau aus Lugano mit einer leidvollen argentinischen Lebensgeschichte, die weltgewandte Modedesignerin aus Vietnam, die ihr Handwerk in Paris erlernt hat und von St. Gallen aus ihre Kreationen über den ganzen Erdball verschickt, der Medienchef eines bekannten Energiekonzerns mit italienischem Hintergrund oder der Multikünstler aus den USA, der mit seiner Familie in Zürich lebt und die hiesige Mentalität in seinem musikalischen Kabarett genüsslich entlarvt.

Einer der Porträtierten ist der 1992 in der Schweiz geborene Profifussballer Joel Kiassumbua, dessen Vater aus dem Kongo stammt, die Mutter kommt aus Luzern. «Es ist lustig, Bildern nicht zu entsprechen», sagt der aufgestellte junge Mann, dem es überhaupt keine Probleme bereite, dass er «nicht ganz dem bleichgesichtigen Ideal der Schweizer Patrioten entspricht».

Der schön illustrierte Band mit den leider viel zu breiten Textspalten zeigt, dass diese Bilder von der «anderen», legalisierten Schweiz bunt gemischt und vielfältig sind. So können auch gestandene Einheimische erkennen, dass es nur bereichernd ist, wenn die Welt unter uns lebt.

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