Nr. 25/2012 vom 21.06.2012

Spontanitätsimmun

Von Stephan Pörtner

Der Zusammenbruch des Föhns war seit einer Woche fest eingeplant. Man erwartete die dahinter liegende Kalt- und Regenfront halbwegs gelassen und hielt die entsprechende Ausrüstung bereit. Doch statt Regen und Kälte schlich sich eine Art Vorsommer ins Land, der durch das stündliche Drohen starker Regenfälle als derart temporär eingeschätzt wurde, dass die üblichen Warmluft-Tätigkeiten wie Fleisch braten, Gewässer heimsuchen oder das Herumsitzen in Gartenbeizen, die noch nicht offen hatten, von den meisten unterlassen wurden, weil Spontanität zwar allenthalben gefordert und propagiert wurde, vor allem in der immer widersinniger werdenden Arbeitswelt, schlussendlich aber nicht mit dem Naturell der Einheimischen vereinbar war.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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