Nr. 32/2012 vom 09.08.2012

In allerbester «Herr im Haus»-Manier

Von Helen Brügger

Das Unbehagen in der Romandie ist gross. Das Druckunternehmen Swissprinters, das den Deutschschweizer Mediengruppen Ringier, Tamedia und NZZ gehört, will die traditionsreiche Druckerei Imprimeries Réunies Lausanne (IRL) schliessen und die Aktivitäten auf Zofingen konzentrieren. Die Romandie würde 120 Arbeitsplätze, die letzte Rollenoffsetdruckerei und ein strategisches Produktionsmittel verlieren – wenige Monate nachdem das Medienhaus Edipresse definitiv zu «Tamedia Publications Romandes» geworden ist, was man in der Westschweiz bereits als Fauxpas empfunden hatte.

«Les IRL» suchen unterdessen, unterstützt von «denen von Novartis», nach Alternativen. Ende 2011 bekämpften die Novartis-Angestellten den Schliessungsentscheid des Basler Multis und retteten den Standort Nyon. Doch die «Messlatte» Novartis, an der das Ergebnis des Konsultationsverfahrens bei den IRL gemessen werden dürfte, ist hoch. Denn Swissprinters lehnt ab, die Gewerkschaft Syndicom zu den Verhandlungen zuzulassen. In bester «Herr im Haus»-Manier erlaubt Geschäftsführer Alfred Wälti der Gewerkschaft, an den «runden Tischen» teilzunehmen. Verhandeln will Swissprinters nur mit der Personalkommission. «Swissprinters verhandelt nicht, Swissprinters gesteht zu oder schreibt vor», sagt Yan Giroud von Syndicom. Das will sich die Gewerkschaft nicht gefallen lassen.

Die IRL schreiben, anders als Novartis Nyon, seit Jahren rote Zahlen. Notwendige Investitionen sind ausgeblieben. Im Kanton Waadt mutmasst man, Swissprinters habe bereits bei der Übernahme vor sechs Jahren das Ziel gehabt, die Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Gemeinde und Kanton wären bereit, eine Übernahme durch die Kader finanziell zu garantieren und damit sechzig bis siebzig Arbeitsplätze zu retten. Swissprinters lehnt diese Lösung ab.

Und doch: In einem Punkt sind Parallelen zum Fall Novartis Nyon möglich. Medienunternehmen sind, wie der Pharmamulti, sensibel für die öffentliche Meinung. Diese gilt es zu mobilisieren. Es sei denn, in der Deutschschweizer Medienbranche habe man das Gespür für Minderheitsregionen verloren.

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