Nr. 32/2012 vom 09.08.2012

Erfolgsgeschichte von KleinbäuerInnen in Gefahr

Von Sonja Wenger

Dem Anbau von Biogetreide im südbrasilianischen Capanema droht das Aus. Das Pionierprojekt für Hunderte KleinbäuerInnen, die beim Anbau von Soja, Mais und Zucker vollständig auf Pestizide verzichten, wird seit 1997 von der Schweizer Fairtrade-Organisation Gebana AG unterstützt und galt bisher als Erfolgsgeschichte. Diese sei nun aber von Spätfolgen aus Verlusten der Sojaernte 2009/10 bedroht, sagt Adrian Wiedmer, Geschäftsführer der Gebana, gegenüber der WOZ.

Die Ernte wurde damals verunreinigt, weil auf den konventionell betriebenen Nachbarschaftsfarmen der BiobäuerInnen unter anderem das hochgiftige Insektizid Endosulfan eingesetzt worden war und es durch Nebel, Regen und Wind auch auf die Felder der KleinbäuerInnen geriet. Diese konnten daraufhin ihre Produkte nicht mehr unter dem Biosiegel verkaufen und mussten grosse Einkommensverluste hinnehmen.

Als Reaktion lancierten sie 2010 die internationale Kampagne «Chega!» (auf Deutsch «Es reicht!») – KleinbäuerInnen gegen Pestizide. Tatsächlich konnten sie ein Verbot von Endosulfan durchsetzen, das allerdings erst 2013 in Kraft treten wird. Aufgrund des weiterhin bestehenden hohen Einkommensrisikos haben seither 80 der 300 Kleinbetriebe den Bioanbau aufgegeben. Zwar konnte sich Gebana Brasil von den Verlusten knapp erholen, doch im Sommer 2011 verweigerten die Banken dem Unternehmen eine Erneuerung der Kredite.

Die Schweizer Muttergesellschaft Gebana ist nun auf der Suche nach neuen InvestorInnen und hat dafür auch Schweizer Importeure von Biogetreide wie Fenaco, die Unternehmensgruppe der Agrarwirtschaft, angefragt. «Doch das Engagement für die Sicherung der Biofuttermittel beschränkt sich leider einzig auf den Handel», sagt Wiedmer, und alle Investitionen oder eine weitergehende Partnerschaft würden abgelehnt. «Absurd dabei ist, dass der Bedarf an Biofuttermitteln weltweit enorm steigt, sich jedoch viel zu wenige für die Produktion einsetzen. Wir könnten problemlos die fünffache Menge unserer Produktion verkaufen.»

Zwar habe eine französische Landwirtschaftskooperative aus der Normandie Interesse gezeigt. Nun fehle aber noch das Einverständnis des grössten Geldgebers, des genossenschaftlich organisierten Mikrofinanzvermittlers Oikocredit, Gebana Brasil einen Teil der Schulden zu erlassen. «Alle anderen haben sich inzwischen dazu bereit erklärt», sagt Wiedmer. Die Zeit drängt: «In den nächsten Wochen muss entschieden werden, ob wir 2013 nochmals eine Ernte angehen können.»

www.gebana.com

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