Nr. 32/2012 vom 09.08.2012

Die letzte Chance des Machos

Von Geri Krebs

Der Vorspann listet in einer linguistischen Aufklärung Schimpfworte gegen jeweils andere Nationalitäten in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien auf und schliesst ab mit «peder». Das wird überall verstanden, es ist das Schimpfwort für Schwule. Der rotzig-respektlose Ton von «Parade» ist damit vorgegeben.

Im Zentrum steht der serbische Kriegsveteran Limun, Belgrader Besitzer eines Judoklubs und einer Security-Firma, wo sich Figuren tummeln, die einen mindestens so zweifelhaften Ruf haben wie er selbst. Limun hat einen halbwüchsigen Sohn aus früherer Ehe, einen Kampfhund und eine wesentlich jüngere Freundin, Pearl. Als der Kampfköter bei einer Schiesserei lebensgefährlich verletzt und nur dank der Notoperation von Tierarzt Radmilo gerettet wird, gerät Limuns Weltbild arg durcheinander, denn Radmilo ist schwul. Sein Partner Mirko ist Hochzeitsplaner, und Pearl hat Mirko bereits heimlich mit Hochzeitsvorbereitungen betraut. Worauf der homophobe Macho Limun ausrastet und die Verlobte sich von ihm abwendet, denn sie hat keine Lust auf eine Ehe mit einem Hinterwäldler.

Als dieser reumütig zu Kreuze kriecht, sind Pearls Bedingungen klar: Eine letzte Chance gibts nur, wenn er eine Schutztruppe für die bevorstehende Gay-and-Lesbian-Pride-Parade zusammenstellt, die Mirko und Radmilo organisieren und bei der sie von der örtlichen Polizei im Stich gelassen wurden. Und weil Limuns Kumpel noch schlimmere Schwulenhasser sind als er, bleibt dem Berserker nichts anderes übrig, als seine Schutztruppe unter ehemaligen Kriegsgegnern zu suchen, mit denen er in dieser Nachkriegszeit durch mafiöse Geschäftsbeziehungen verbandelt ist. Es beginnt eine turbulente Reise der Hoffnung, bei der Regisseur Srdan Dragojevic – der ursprünglich aus der Belgrader Punkszene stammt – alle möglichen Schwulenklischees auffährt. Diese schrille Art kam an: «Parade» war zu Beginn dieses Jahres ein Grosserfolg in ganz Exjugoslawien und begeisterte daraufhin an der Berlinale.

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