Nr. 32/2012 vom 09.08.2012

Festival

Theater aus Osteuropa

«Perspektive Osteuropa» ist der Schwerpunkt, mit dem das 33. Zürcher Theaterspektakel eröffnet wird. Eine tragende Rolle spielen Roma: Gegen zwölf Millionen Angehörige der grössten Minderheit Europas leben in osteuropäischen Ländern – sie sind wieder vermehrt Opfer von Fremdenfeindlichkeit und Vertreibung.

Die argentinische Choreografin Constanza Macras hat auf Abstellplätzen, in Ghettos und Wohnblöcken in der Slowakei, in Tschechien und in Ungarn Romafamilien aufgesucht, mit ihnen geredet und sich in ihre reiche Tanz- und Musikkultur vertieft. Mehr als achtzig Romas hat sie kennengelernt, die Hälfte davon liess sie zu Auditions kommen: Tänzerinnen und Sänger, Laien und Profis, Alte und Junge. Daraus ist eine achtzehnköpfige Truppe entstanden, die im Stück «Open for Everything» gemeinsam mit Tänzerinnen der Kompanie Constanza Macras und einer Band die Bühne am See entern und von ihrem Alltag erzählt (Do–So, 16.–19. August 2012, 19.30 Uhr, Werft).

Aus Ungarn kommt Bela Pinter, einer der bedeutendsten Regisseure Osteutropas. Mit dem Ensemble des Budapester Szkene-Theaters zeigt er «Szutyok» («Miststück») – eine bitterböse Satire auf die aktuelle politische, explizit romafeindliche Situation in Ungarn (Sa–Mo, 18.–20. August 2012, 20 Uhr, Gessnerallee).

Aus Warschau ist die Komponistin Marta Gornicka mit einem 25-köpfigen Frauenchor angereist. In «Tu mowi chor» («Hier spricht der Chor») singt das Kollektiv gegen tradierte Geschlechterbilder an, die die polnische Gesellschaft nach wie vor prägen (Do/Fr, 16./17. August, 19 Uhr, Landiwiese Nord).
Adrian Riklin

33. Theater Spektakel in: Zürich Landiwiese, Werft, Rote Fabrik, Theaterhaus Gessnerallee 
Do, 16. August 2012, bis Sa, 2. September 2012. 
www.theaterspektakel.ch

Video

Joseph Beuys in Rorschach

Was zunächst nach einer unfreiwillig komischen Bezeichnung aus einer Amtsstube tönt, in der an einem himmeltraurigen Nachmittag eine bessere Standortvermarktung gesucht wurde, erweist sich als eine hübsche Ironie: Unter dem Namen «Amt für Aufschwung» sind in Rorschach im ehemaligen Ex-Libris-Gebäude noch bis September eine Reihe ausgewählter Video-, Dokumentar- und Spielfilme zu sehen.

Die Auswahl ist so ortsbezogen wie geschichtsbewusst. Das gilt insbesondere auch für den Videofilm «Aktive Neutralität – Die Überwindung von Kapitalismus und Kommunismus» von Rainer Rappmann aus dem Jahr 1985: Gezeigt wird ein Vortrag von Joseph Beuys, den er am 20. Januar 1985 vor rund 600 Leuten im Stadthofsaal in Rorschach hielt, um dabei auch seine Ideen eines «erweiterten Kunstbegriffs» und der «sozialen Skulptur» zu erläutern.

Im Film ist auch die Diskussion zu sehen, die im Anschluss an den Vortrag geführt wurde. Einige der damaligen DiskutantInnen werden 27 Jahre danach erneut anwesend sein.
Adrian Riklin

«Aktive Neutralität – Vortrag von Joseph Beuys 
in Rorschach aus dem Jahre 1985» in: 
Rorschach Amt für Aufschwung (Ex-Ex-Libris), Kronenstrasse 4, Do, 16. August 2012, 19.30 Uhr.

Film

Diesseits der heilen Welt

Über den neueren Schweizer Film lässt sich viel schnöden oder auch lamentieren. Mit gutem Willen kann man aber ein erstaunlich spannendes Programm aus Produktionen der letzten Jahre zusammenstellen. Das zumindest beweisen die ProgrammgestalterInnen des Zürcher Kinos Xenix – sie präsentieren im August unter dem Titel «Diesseits der heilen Welt» Spiel- und Dokumentarfilme aus der und über die Schweiz.

Nach «Utopia Blues» (2001) von Stefan Haupt und «Nachbeben» (2006) von Stina Werenfels, die bereits gezeigt wurden, reicht die Palette von Dieter Gränichers «Der Duft des Geldes» (1998), Romed Wyders «Pas de café, pas de télé, pas de sexe» (1999) oder Jean-François Amiguets «Au sud des nuages» (2003) über Veronika Minders «Katzenball» (2005), Sabine Gisigers «Gambit» (2005), Andrea Stakas «Das Fräulein» (2006) oder Ursula Meiers «Home» (2008 ) bis zu ganz jungen Werken wie «Fliegende Fische» von Güzin Kar, «Der Sandmann» von Peter Luisi oder «Day is Done» von Thomas Imbach (alle 2011).

Viele FilmemacherInnen sind während ausgewählter Vorführungen anwesend und werden im Anschluss daran über ihre Arbeit berichten. Nächste Termine: Jean-François Amiguet (Do, 2.), Güzin Kar (Mo, 6.), Peter Luisi (Mo/Di, 13./14.) sowie Veronika Minder (Do, 16. August).
Adrian Riklin

«Diesseits der heilen Welt – Filme aus 
der und über die Schweiz» in: Zürich Xenix. 
Bis 29. August 2012. Genaues Programm: 
www.xenix.ch

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