Nr. 32/2012 vom 09.08.2012

Von Stefan Howald

Abschaffende

Nicht mal mehr auf die Wirtschaft ist Verlass. Geradezu Revolutionäres vermeldete kürzlich die «SonntagsZeitung». Die Credit Suisse, schrieb die Zeitung, werfe «den eben für 280 Millionen Franken renovierten Immobilienkomplex Uetlihof in Zürich auf den Markt, wo das Schweizer Investmentbanking angesiedelt ist». Gegenwärtig noch auf dem Markt angesiedelt ist, muss man wohl sagen, denn in Bälde wird sich das Investmentbanking womöglich zur Planwirtschaft bekennen. Entsprechend heisst es im «Tages-Anzeiger» in einem Artikel über die durch die Finanzkrise verunsicherten Bankangestellten: «Ihre Loyalität zu den Banken ist erschüttert, die zunehmend wirtschaftskritisch denken.» Als Nächstes bereiten die Banken selbstkritisch ihre eigene Abschaffung vor.

Hadernde

Nur ein paar unentwegte, hartnäckige Banker haben die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt, wie man ebenfalls der «SonntagsZeitung» entnehmen kann. Etwa die Bank Vontobel: Die «hadert mit anderen Problemen», denen sie vermutlich vorwirft, im luftleeren Raum der Abstraktionen mit unfairen sachlichen Bandagen zu kämpfen.

Zunehmende

Dafür gibt es für den gebeutelten Schweizer Tourismus eine gute Nachricht. Zwar haben sich die einheimischen BesucherInnen etwas dünngemacht, aber die «ausländischen Gäste nehmen weiterhin zu», tröstet Fernsehen DRS in einer Wirtschaftsnachricht. Was uns in ein Dilemma stürzt: Einerseits ist Fettleibigkeit natürlich ein sozialpolitisches Problem, andererseits sind wir angesichts des starken Frankens für jede Umsatzsteigerung im einheimischen Gastgewerbe dankbar.

Nichtzählende

Ob all der wirtschaftspolitischen Zahlen mag einem schon der Kopf schwirren, wie einer unserer Leser bei der Lektüre der «Coop-Zeitung» festgestellt hat. Zur Frage «Wie zufrieden sind Sie mit der Schweiz?» haben sich Frauen und Männer geäussert, und siehe da: «Frauen sind ebenfalls zufrieden mit der Schweiz, wenn auch nicht ganz so sehr wie Männer: 64 Prozent der Frauen sind zufrieden mit ihrem Land, bei den Männern sind es 54 Prozent.» Frauen müssen halt weiterhin etwas mehr leisten, damit ihre Meinung gleich gewichtet wird wie die der Männer.

Entschädigte

Den scharfen Augen einer WOZ-Leserin ist hingegen in «20 minuten» folgende Rechnung aufgefallen: Vor dem Bezirksgericht kassierte ein Angeklagter für Cybermobbing und eine entsprechende Beleidigung «eine Geldstrafe von 150 Franken und 1000 Franken Entschädigung». Was einen ganz neuen Erwerbszweig erahnen lässt.

Sportliche

Die «Südostschweiz» hat sich kürzlich in den Südwesten der USA begeben und ist dabei mit ein paar bemerkenswerten Metaphern zusammengetroffen: «Kalifornien: Das ehemalige Sehnsuchtsziel liegt heute wie ein angeschlagener Boxer auf dem Boden.» Noch etwas blutiger, wiewohl nicht ganz unangemessen, wird wenig später von einem Arbeiter berichtet: «Auch ihn trifft das Schwert der Arbeitslosigkeit.» Vielleicht kann ja die Selbstabschaffung der Banken und ihrer Subprime-Kredite in Zukunft solche Schicksale verhindern.

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