Nr. 33/2012 vom 16.08.2012

Wetterpolitik

Von Stephan Pörtner

Die Niederschläge zogen mit Vehemenz über das Land und hinterliessen zwar keine Zerstörung, dafür aber lange Gesichter. Da die Bevölkerung sommers einen nirgends festgeschriebenen Anspruch auf Betätigung im Freien anmeldete, wusste man bei den zuständigen Amtsstellen, wie schnell die Stimmung kippen konnte. Zur Ablenkung der Regenmüden wurden verschiedene Krisen inszeniert und Untergangsszenarien prophezeit, damit die Leute froh wären, wenigstens im Trockenen zu sitzen. Doch weil Dankbarkeit und Bescheidenheit schon lange nicht mehr mit dem modernen Leben kompatibel waren, ging der Schuss kräftig in den Ofen, und hätte sich am fünften Tage nicht ein Azorenhoch durchgesetzt, die Situation wäre wahrscheinlich entgleist.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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