Nr. 35/2012 vom 30.08.2012

Nachtschnecken in der Badi

Von Stephan Pörtner

Die alte Badeanstalt bot einen beliebten Rückzugsort für all jene, die einerseits schlau genug waren, nicht im Sommer zu verreisen, und sich andererseits wenig darum scherten, wie ein gescheites Einkommen zu erzielen sei. Dazu kamen allerlei Pensionierte, Servicepersonal und Nachtschnecken, die an ihrer gepflegten Bleiche zu erkennen waren, die sie auch an der Sonne nicht ablegten. Weil es Eintritt kostete, waren auch keine Gratistaucher und Billiglieger zugegen. So herrschte während dreier Wochen auf einer sehr begrenzten Fläche, einer ausgewogenen Komposition aus Wiesen, Wegen und Holzrosten, eine fast schon überzuckerte Harmonie und Schwerelosigkeit, für die manches Zenkloster seine Novizen verkauft hätte.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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