Nr. 37/2012 vom 13.09.2012

In der Lebenspause

Die zeitlich ohnehin einer Halbtagsstelle entsprechende Mittagspause des Charles Winkler zerdehnte sich an diesem Freitag immer weiter und lappte schon bedenklich ins Vorabendliche, als ein dumpfer Knall Charles vom Sofa aufschrecken liess. Er setzte sich auf und horchte in den Feierabendverkehr, der aber summte und brummte wie gewohnt sinnlos und deprimierend am Fenster vorbei. Unfähig, sich wieder zu entspannen, trat Winkler zur Kaffeemaschine, um sich für die Arbeiten der zweiten Tageshälfte zu wappnen, denn eine Pause bedingt, dass sie etwas unterbricht, in seinem Fall tiefes Nachdenken über Probleme, die er haben könnte, wenn er dieselben Fehler machte wie alle andern.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen.

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