Nr. 37/2012 vom 13.09.2012

Die Wut des Löftis

Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) hat mir den schönsten Moment meiner Karriere als Rekrut beschert: Als mein damaliger Löfti (Leutnant) während einer Turnstunde mein «Stop F/A-18»-Shirt bemerkte, befahl er mir, es auszuziehen. Ich weigerte mich, und der Löfti strich mir den Ausgang. In der folgenden Turnstunde trugen rund ein Dutzend meiner Mitrekruten ebenfalls ein GSoA-T-Shirt. Wutentbrannt verliess der Löfti die Turnhalle.

Viele Leserinnen und Mitarbeiter der WOZ sind der GSoA in irgendeiner Weise verbunden. Nicht wenige seit nunmehr dreissig Jahren. So alt ist die Organisation diese Woche geworden – gegründet am 12. September 1982 im Restaurant Kreuz in Solothurn von rund 120 Personen. Das stete Engagement der GSoA für den Antimilitarismus hat in den letzten drei Jahrzehnten massgeblich dazu beigetragen, dass die Schweizer Armee heute keine heilige Kuh mehr ist. Im Gegenteil: Wie eine aktuelle Umfrage der «SonntagsZeitung» ergab, wollen heute 42 Prozent der SchweizerInnen die Armee abschaffen. In früheren Umfragen lag dieser Wert nie über 30 Prozent.

Wie wichtig die Arbeit der GSoA weiterhin ist, zeigt sich in der aktuellen Debatte um die Beschaffung des schwedischen Kampfjets Gripen (vgl. Seite 2). «Sobald das Parlament dem Kauf von Kampfjets zustimmt, beginnen wir mit der Unterschriftensammlung fürs Referendum», sagt GSoA-Sekretär Stefan Dietiker.

Zuerst lässt sich die GSoA nun aber feiern: Am Samstag, 15. September, findet das GSoA-Jubiläumsfest ab 14 Uhr im Progr in Bern statt. Auf dem Programm stehen ein Podium zur Frage «Wo wäre die Schweiz ohne GSoA?», ein Referat über die Militarisierung der EU und ein Poetry Slam, an dem auch WOZ-Kolumnist Etrit Hasler auftritt. Für Speis, Trank und Musik ist gesorgt. Auf weitere T-Shirts gegen das Militär, zu welchem Kampfjet auch immer!

Jan Jirát

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